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An dieser Stelle werden auf selk.de regelmäßig Bücher vorgestellt: zum Lesen, zum Verschenken, zum Nachdenken, zum Diskutieren – Buchtipps für anregende Lektürestunden. Die hier veröffentlichte Buchvorstellungen hat Doris Michel-Schmidt verfasst.
Pula – Segen fällt auf dürres Land
28 Jahre lang war Fritz-Adolf Häfner Missionar in Afrika. 28 Jahre, in denen Gott reichlich Segen auf dürres Land fallen ließ. Jetzt hat Fritz-Adolf Häfner seine Erinnerungen in einem Buch zusammengefasst – so lebendig, dass man beim Lesen eintaucht in die fremde Welt Afrikas. Und so anschaulich, dass diese Fremde dabei immer weniger fremd wird, weil Häfner zwar aus der Distanz zurückblickt, aber trotzdem mittendrin ist bei den Menschen, mit denen er gearbeitet, gelebt hat, denen er das Evangelium sagte, die er unterrichtet und getauft hat. Menschen, mit denen er alle Nöte und Ängste teilte, aber auch die Freude und den Dank, wo Gott Hilfe schenkte.
Zunächst schickte die Missionsleitung den jungen Missionar Häfner nach Südafrika, in die große Stammesgemeinde Botshabelo in Westtransvaal. Die ersten Jahre sind schwierig, insbesondere durch die dortige Rassentrennungspolitik. Im Rückblick auf diese Anfänge, so beschwerlich sie auch waren, erkennt Häfner trotz allem „Gottes Führungen und Fügungen hinein die ausgedehnte Heidenmissionsarbeit“ in Botswana.
Damals war nicht abzusehen, dass in diesem jungen, selbständigen Staat Botswana mit einer Bevölkerung, in der 90 Prozent Heiden waren, der Herr der Mission die „ausgeworfenen Netze“ so reich füllen würde. Damals stand man in Kirche und Mission einer Ausbreitung des Arbeitsgebietes nach Botswana skeptisch gegenüber. „Die Begründung war stets: keine Finanzen und kein Personal vorhanden!“ Das war damals so – und es ist heute nicht anders. Aber Gott findet Wege – das war damals so, und es ist heute nicht anders.
Pula bedeutet Regen, fruchtbarer Regen, „der die Voraussetzung ist für gedeihliches Leben für Mensch, Tier und Pflanze. Wenn man in Botswana einem Menschen etwas Gutes wünscht, dann wünscht man ihm Pula“.
Wenn man sich mit Fritz-Adolf Häfner auf die Reise durch die Jahre seines Dienstes in Botswana macht, dann kommt man aus dem Staunen nicht heraus und ist überwältigt von den Türen, die Gott öffnete, von der Bewahrung, von dem großen Segen, der auf dieser Arbeit lag. Pula!
So viele Erlebnisse schildert Häfner konkret und ausführlich, dass man ihm fasziniert folgt. Zum Beispiel, wie erreicht wird, dass der Kirche vom zuständigen Oberhäuptling in der Stadt Kanye ein großes Grundstück mitten in der Stadt zugeteilt wird; wie es trotz finanzieller Engpässe dank einer großen Einzelspende zum Bau einer ersten „Hütte“ kommt; wie völlig unerwartet eine Wasserader gefunden wird, denn was soll eine Missionsstation ohne Wasser? „Gott hat es so gewollt, dass die Lutheraner dort Wasser finden, wo kein Wasser ist“: dieses Danklied stimmen die Menschen spontan an, als nach wochenlangem Bohren sich ein dicker Wasserstrahl auf den ausgedörrten Boden ergießt. Modimo-o-ratile wird die Missionsstation nun genannt: „Gott hat es so gewollt“.
Ab 1972 entsteht in Kanye nach und nach eine Missionsstation mit mehreren Gebäuden. In der ersten Zeit ist Fritz-Adolf Häfner gleichzeitig noch für die Filialgemeinden im südafrikanischen Botshabelo zuständig, wo seine Frau Ute als gelernte Krankenschwester unter anderem das Missionshospital leitet und mit den zwei Kindern nach wir vor lebt. Erst nach zwei besonders beanspruchenden Jahren, kann die Missionarsfamilie 1974 endlich in ihr neues Pfarrhaus in Kanye einziehen.
„Der normale Wahnsinn eines Tagesablaufs auf der Missionsstation“ lässt sich kaum zusammenfassen: Dachstühle bauen, einen großen Garten anlegen, Bankgeschäfte erledigen, Nahrungsmittel beschaffen, Korrespondenz abarbeiten, mehrere Tauf- und Konfirmandenklassen unterweisen... Und natürlich vor allem Gottesdienste feiern - zunächst in der geräumigen Garage, bis 1976 die Kirche eingeweiht werden kann.
Ute Häfner gründet einen Kindergarten. Fritz-Adolf unternimmt Missionsreisen zu anderen Volksgruppen in Botswana. Weitere Gemeinden entstehen. Nach zwanzig Jahren werden es vierundvierzig Gemeinden sein, und Tausende von Menschen wurden getauft.
Aber natürlich erleiden die Missionare auch Rückschläge, und sie erleben bedrohliche Situationen durch Tiere, Hitze, Hungersnot und sogar einen Mordanschlag. Häfners mit ihren fünf Kindern werden immer bewahrt. Modimo-o-ratile – Gott hat es so gewollt.
Aus Häfners Schilderungen spricht die Liebe zu den Menschen. Mission, so sagt er es, erfasst die Lebenssituation der Menschen, nimmt deren Sorgen und Nöte ernst und geht auf ihre Bedürfnisse rücksichtsvoll ein. Ohne Relativierung des Evangeliums. Aber so, dass die Botschaft im jeweiligen Kontext verstanden wird.
1994 kehrt Häfner mit seiner Familie zurück nach Deutschland. Schweren Herzens, wie er schreibt. Die kirchenpolitischen Auseinandersetzungen hier wie dort skizziert er zurückhaltend; was aber verständlicherweise weh tut, ist die Erkenntnis, dass mit dem allmählichen Abzug der Missionare und der südafrikanischen Pastoren die weit auseinander liegenden Gemeinden nur noch selten oder gar nicht mehr gottesdienstlich versorgt werden. Und 2017 muss gar die Schreckensmeldung verkraftet werden, dass die Kirche in Modimo-o-ratile in Kanye abgebrannt ist.
„Was bleibt?“ fragt Fritz-Adolf Häfner zum Schluss. Seine Antwort ist vielschichtig. „Es bleibt der Glaube an den Herrn und Heiland der Welt, der nicht von dem Einsatz einzelner Amtsträger, sondern allein von der fortdauernden Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung der Kirche abhängt“, schreibt er. Und: „In der großen Ernte Gottes in Botswana zeigte sich doch, dass Gottes Heilswille für verlorene Menschen auch Zeit und Ziel des Dienstes seiner Boten bestimmt.“
Aber natürlich fragt er auch kritisch, ob der hohe Einsatz der Mission nachhaltig war, und er betont, dass nachhaltige Mission Zeit braucht. Da reichen wenige Jahrzehnte nicht.
Die Leidenschaft für die Sache Gottes, die in diesem Buch so konkret wird, ist ansteckend. Daher: unbedingt lesen! Vielleicht vermag es manch ermüdete Gemeinde neu zu inspirieren und zu verstärktem Engagement in Fürbitte und Spendenbereitschaft für die Mission führen.
Fritz-Adolf Häfner
Pula – Segen fällt auf dürres Land
BoD 2026, 545 Seiten mit zahlreichen Bildern, 34,99 Euro
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