Angedacht!


"Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen.“

1. Timotheus 6,12


LiDr. Andrea Grünhagenebe Leserinnen und Leser,

welch ein schönes Bibelwort zum Gedenktag der Augsburgischen Konfession. Wir werden erinnert an die Übergabe einer lutherischen Bekenntnisschrift durch reformatorisch gesinnte Fürsten und Reichsstädte an Kaiser Karl V im Jahr 1530. Das Bekenntnis von Augsburg, verfasst von Philipp Melanchthon, ist zu einem Grundtext der lutherischen Kirche geworden.

Dazu passt der Satz vom guten Kampf des Glaubens und dem guten Bekenntnis vor vielen Zeugen ausgezeichnet. Und das ist es ja auch, was sich eine lutherische Kirche heute noch sagen lassen soll. Es geht nicht um ein historisches Dokument, sondern um den Glauben und das Bekennen heute.

Doch was ist denn dieser Kampf des Glaubens eigentlich? Ich ahne, dass es vielleicht nicht in erster Linie oder nicht nur die spektakulären Einzelaktionen wie auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 sind, die damit gemeint sind. Natürlich, diese Stunden gibt es auch heute noch, in denen Christen in einem Augenblick ihres Lebens alles aufs Spiel setzen, sich selbst in die Waagschale werfen wie die Unterzeichner der Augsburgischen Konfession und sich für Kampf statt Flucht entscheiden.

Aber weitaus häufiger sind wohl die Stunden, in denen Glauben und Treue in den Schwierigkeiten des Alltags bewährt werden und dort der Kampf des Glaubens gekämpft werden muss. Auf diesen Gedanken bringt mich der Vers vor dem schönen Wort vom Bekennen. Da heißt es nämlich: „Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut.“ (1. Timotheus 6,11b)

Kann ich das in Theorie und Praxis zusammenhalten – lutherischen Bekennermut und Kampfgeist und gleichzeitig Sanftmut, Geduld, Liebe, Glauben, Frömmigkeit, Gerechtigkeit? Sind das vielleicht die wirklichen Beweise und Bekenntnisse vor vielen Zeugen? Keine Erklärungen oder Unterschriften unter irgendwelche Dokumente sind etwas wert, wenn mit dem Wort bekannt und mit der Tat verleugnet wird. Wo jemand gerecht und fromm ist, erweist sich das in sichtbaren Handlungen. Gleichberechtigt steht eine liebevolle, geduldige und sanftmütige Haltung neben der kämpferischen Beherztheit. Und das nicht nur, wo es um das stille Zeugnis im Handeln geht, sondern sogar auch dann, wenn mit Worten bekannt werden muss.

In diesem Sinne ist die Erinnerung an den Tag des Augsburgischen Bekenntnisses beides für Lutheraner: Bestätigung und Ermutigung auf der einen und Mahnung und Herausforderung auf der anderen Seite.

Andrea Grünhagen

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