Angedacht!


„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“

Psalm 51,12


LiDr. Andrea Grünhagenebe Leserinnen und Leser,

es ist Zeit für den Osterputz! Wie Sie es persönlich mit dem Großreinemachen im Frühling in Bezug auf ihr häusliches Umfeld halten, weiß ich natürlich nicht. Aber dass ab Aschermittwoch so etwas wie ein geistlicher Osterputz ansteht, das weiß ich.

Nicht wenigen von Ihnen ist der Vers aus Psalm 51, der über dieser Andacht steht, sicher vertraut. Aber haben Sie sich eigentlich schon mal gefragt, was so ein reines Herz eigentlich ist? König David, der diese Worte wohl nach seinem Fehltritt mit Bathseba gebetet hat, wusste, dass sein Herz, das ist nach alttestamentlichen Verständnis die Mitte seines Wesens, sein Personenzentrum, das, was jemanden ausmacht, befleckt war von Ehebruch und Mord. Ging das nur David so? Eigentlich ist das Problem noch viel grundsätzlicher und betrifft uns alle. Es ist nicht so, dass unser fast reines Herz durch einzelne Sünden etwas weniger rein würde, sondern aus dem Herzen selbst kommen die Sünden. So hat es Jesus gesagt: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.“ (Matthäus 15,19)

Nun wären wir ganz schnell fertig und es klänge auch gut lutherisch, wenn an dieser Stelle der abschließende Satz folgte: „Das tut Jesus für dich. Er reinigt dein Herz.“

Schade ist nur, dass solche schnell-fertig-Sätze meist recht wirkungslos verhallen. Auch wenn sie natürlich richtig sind. Denn festzuhalten ist, dass nicht der König David erklärt, er wolle nun sein Herz reinigen, sondern er bittet Gott, das zu tun. Und er ist auch erhört worden. Nebenbei und im Handumdrehen geschah dies allerdings nicht. David musste sich die bitteren Vorwürfe des Propheten Nathan anhören und seine Schuld eingestehen. Auch vor den tragischen Konsequenzen seines Tuns ist er nicht verschont worden. Er hat aufrichtig Buße getan.

Wenn für uns auch in diesem Jahr wieder die Fastenzeit beginnt, dann ahnen wir schon, dass es wohl auch für uns nicht so einfach mal nebenbei abgehandelt werden kann mit dem inneren Osterputz. Vom flüchtigen Blick auf den Putzeimer wird die Wohnung nicht sauber. Es bringt auch nichts, sein Auto neben die Waschanlage zu parken und zu hoffen, dass es irgendwie sauber werden wird. Sauber wird es nur in der Waschanlage.

Rein wird das Herz auch nur in Gottes Waschanlage. Vielleicht ist es sogar ganz heilsam, dass uns so manche Putzaktion, die nur aus Gewohnheit geschieht, in unserem Glauben in diesem Jahr etwas erschwert wird. Das stößt uns nämlich geradezu mir der Nase auf die Tatsache, dass der Weg durch die Fasten- und Passionszeit etwas sehr Persönliches ist. Es geht dabei um unser Herz, das vielleicht sogar sehr konkret weiß, wo es der Reinigung bedarf und um Gott. Vielleicht haben wir ja sogar gerade besonders viel Zeit, darüber nachzudenken, was da so alles aus unserem Herzen quillt. Buße hat sehr verschiedene Gesichter. Gott hat sehr verschiedene Weisen, uns zur Buße zu führen.

Dass auf Ihrem Weg durch die diesjährige Fastenzeit immer genug Waschanlagen zu finden sind und ihr Herz auch darin und nicht daneben landet, das wünsche ich Ihnen.

Andrea Grünhagen

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