Angedacht!


"Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.“

Johannes 2,11


LiDr. Andrea Grünhagenebe Leserinnen und Leser,

zum Epiphaniasfest gehören eigentlich drei Lesungen des Evangeliums, nämlich die Anbetung der Weisen (Matthäus 2), die Taufe Jesu (Matthäus 3) und das Wunder auf der Hochzeit zu Kana (Johannes 2). Leider erleben wir diese Evangelien verteilt auf drei Gottesdienste, nämlich an Epiphanias, am 1. und am 2. Sonntag nach Epiphanias.

Was diese drei Bibeltexte verbindet ist das Stichwort „Offenbarung der Herrlichkeit.“ Darum geht es, Jesus offenbart selbst, wie beim Weinwunder in Kana, seine göttliche Herrlichkeit oder sie wird durch eine Stimme vom Himmel, also von Gott dem Vater, oder durch den Stern, die Gaben und die Anbetung der Weisen offenbart.

Auch wenn wir diese Bibeltexte in verschiedenen Gottesdiensten hören, sollten wir bedenken, dass sie in ihrer Aussage zusammengehören. Ein Lied, dass Martin Luther 1541 gedichtet, bzw. aus dem Lateinischen übersetzt hat, macht das wunderbar deutlich und hält die Erinnerung daran wach. Das Lied findet sich im ELKG 1 unter der Nummer 423.

Was fürchtst du Feind Herodes sehr,
dass uns geborn kommt Christ der Herr?
Er sucht kein sterblich Königreich,
der zu uns bringt sein Himmelreich.

Der Stern die Weisen folgen nach,
solch Licht zum rechten Licht sie bracht.
Sie zeigen mit den Gaben drei,
dies Kind Gott, Mensch und König sei.

Die Tauf im Jordan an sich nahm
das himmelische Gotteslamm,
dadurch, der nie ein Sünde tat,
von Sünden uns gewaschen hat.

Ein Wunderwerk da neu geschah:
sechs steinern Krüge man da sah,
voll Wassers, das verlor sein Art,
roter Wein durch sein Wort draus ward.

Ursprünglich stammt das Lied von Caelius Sedulius aus dem 5. Jahrhundert. Es ist ein Teil aus einem Lehrgedicht über das Leben Jesu. Die entsprechenden Verse wurden beim Abendgebet (in der Vesper) am Epiphaniastag gesungen. Vermutlich waren sie darum Martin Luther vertraut und für ihn fest mit diesem Tag verbunden.

Luther übersetzt allerdings nicht nur, er setzt auch Akzente. In der ersten Strophe nimmt er auf, was der Originaltext bietet, nämlich das Missverständnis des bösen Königs Herodes, der glaubt, der neugeborene König der Juden konkurriere mit ihm um sterbliche Dinge, während dieser doch das unsterbliche Reich Gottes gibt und bringt. Über diese leider nur lateinisch vorhandene Abwägung zwischen sterblich und unsterblich, Suchen und Geben, kann man alleine schon lange nachdenken.

In Strophe 2 führt Luther besonders aus, inwiefern die drei Gaben (Gold, Weihrauch und Myrrhe) etwas über Christus offenbaren. Das Gold gebührt dem König, der Weihrauch dem wahren Gott und die Myrrhe (eine Heilpflanze) dem wahren Menschen.

In Strophe 3 betrachtet Luther die Sündlosigkeit des Gotteslammes, der die Sünden der ganzen Welt auf sich nimmt. Da geht es um die Taufe. Dazu passend enthält Strophe 4 Anklänge an das heilige Abendmahl, wenn Luther dichtet, das Wasser verliere seine Art – eben wie der Wein im Sakrament und dies geschehe „durch das Wort“ – auch wie beim Sakrament.

Gerade solche aus einer sehr langen christlichen Tradition geschöpften und durchbeteten Lieder sind es wert, sie mindestens nicht zu vergessen, besser auch zu singen, wobei die etwas sperrige Melodie der Luther-Version dies leider schwierig macht.

Aber versuchen Sie es doch mal …

Andrea Grünhagen

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