Angedacht!
„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“
Matthäus 6,19ff
Liebe Leserinnen und Leser,
wo dein Schatz ist, da ist dein Herz! Mir fällt da zum Beispiel eine begeisterte junge Reiterin von zehn Jahren ein. Egal ob in der Schule oder zuhause, das Hier und Jetzt spielt keine Rolle, mit allen Gedanken und Gefühlen ist sie bei ihrem Pflegepferd. Ein paar Jahre später träumt sie von und liebt sie ihren ersten Freund, sie glaubt vor Sehnsucht zu sterben, kaum dass er nicht unmittelbar sofort auf ihre Nachrichten antwortet. Essen und Schlafen – alles völlig überschätzt in solch einer Situation. Schulnoten auch. Die interessieren besagten Freund auch nur am Rande, er ist völlig beschäftigt mit dem Computerspiel, dass er am liebsten pausenlos spielt. Er hat auch kaum eine andere Wahl, denn erstens muss von ihm spätestens alle zwei oder drei Stunden irgendeine Aktion im Spiel erfolgen oder er muss sich bei den anderen Online -Mitspielern melden, sonst ist er raus. Sein Herz ist Tag und Nacht in der Phantasie-Welt des Spiels, nur sein Körper befindet sich notgedrungen in der Realität.
Erwachsene sind da nicht viel anders. Sie funktionieren nur oft besser im wirklichen Leben. Also jedenfalls solange, bis eine stoffliche oder nichtstoffliche Sucht sie aus der Bahn haut. Dann fällt es auf. Davon, dass vielleicht gerade eine Ehe zerbricht, weil er oder sie im Grunde nur noch an ein Hobby oder besondere Reisen denkt und das Gefühl hat, im Alltag gar nicht mehr richtig zu leben und mit dem Herzen ganz weit weg zu sein, sieht man nicht. Und auch das, was Jesus in unserem Bibelvers anspricht, nämlich die Fixierung auf den eigenen Besitz, fällt nicht gleich auf. Erst wenn das Einfamilienhaus plötzlich einer Festung gleicht und Unsummen für Sicherungsmaßnahmen investiert werden, die Bewohner nachts aber trotzdem wachliegen und ängstlich auf jedes Geräusch lauschen aus Angst vor Einbrechern, könnte man merken, dass da was ganz falsch läuft.
Ich habe mich gefragt, warum diese Sätze in der Bibel direkt nach denen stehen, in denen Jesus über das Fasten spricht. Am Aschermittwoch sind sie Teil der Lesung des Evangeliums. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Wenn man sich als Christ etwas vornimmt, auf das man verzichten will, haben wir hier einen guten Rat, was das sein sollte und warum man das überhaupt tun könnte. Der Rat lautet: Erkenne deine Fixierungen! Wenn jemand zum Beispiel im Krankenbett fixiert wird, damit er nicht rausfällt, ist er festgebunden, das ist Freiheitsentzug, oder es wird ein Schutzgitter hochgezogen. Wo ist dein Herz gefangen? Bist du ein „einfältig“ glaubender Mensch, oder bist du als Person vielfältig, zwiespältig, gar nicht ganz da, niemals vollständig einem anderen Menschen oder einer Aufgabe oder Gott zugewandt?
Wo ist es denn, dein Herz? Besser gefragt: Wo sollte es denn sein als Christ? Bei den ewigen Schätzen, bei den ewigen Dingen, bei Gott, sagt Jesus. Alles in dieser Welt hat leider ein Verfallsdatum, nichts hier ist ewig. Dadurch werden Dinge oder Beziehungen nicht falsch oder gar böse, wir sollen aber ihren Wert richtig einschätzen. Wenn man sein Herz an schöne Kleidung oder ein tolles Auto hängt, sollte man das Vorkommen von Motten und Rost einkalkulieren.
Vor einiger Zeit nahm ich an einem Beerdigungskaffeetrinken teil. Ich hörte, wie zwei Gäste über eine Person am Nebentisch lästerten, es ging um das Aussehen. Und ich dachte: Wie blind kann man eigentlich sein! Da haben diese Leute gerade mit eigenen Augen gesehen, was von einem Menschen übrigbleibt, eine Handvoll Asche oder Erde nämlich. Sollte man spätestens da nicht verstehen, dass es dann absolut egal ist, ob jemand schön oder hässlich, dick oder dünn, groß oder klein, reich oder arm, klug oder dumm war? Es bleibt eine Handvoll Staub.
Der alte Ritus des „Aschekreuzes“ von dem der Aschermittwoch seinen Namen hat, leistete genau das: Gedenke, dass du Staub bist! Komm mal wieder in die Realität, sortiere für dich die Reihenfolge der Dinge und richte dich neu auf Gott aus. Zu dieser Neuausrichtung will der Verzicht helfen. Es geht nicht darum, einfach ein paar Genussmittel wegzulassen. Ich bräuchte zum Beispiel nicht darauf verzichten in der Fastenzeit, irgendwelche Serien anzuschauen, ich schaue ja sonst auch keine und es ist mir völlig egal. Aber was einem doch etwas ausmacht, das zeigt der Fasten-Test.
Aschermittwoch ist der Startschuss dafür, die Beziehung zu Gott und das eigene Glaubensleben wieder neu zu priorisieren. Diese Freiheit tut Leib und Seele gut. Bei Gott ist das Herz nämlich gut aufgehoben.
Ihre Andrea Grünhagen