Angedacht!


„Du Tochter Zion freue dich sehr und du, Tochter Jerusalem, jauchze.“

Sacharja 9,9


Dr. Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

alle Jahre wieder hören wir am 1. Advent die Worte des Propheten Sacharja, sie sind sozusagen der Auftakt zum großen Ganzen des Kirchenjahres. Freude ist der Grundton. Denn es kommt der Friedefürst, arm auf einem Esel reitend. Der König aller Könige und Herr aller Herren zieht so in seine Stadt ein. Ein echter Stilbruch könnte man sagen. Selbst zu Fuß zu gehen wäre majestätischer. Als Jesus am Palmsonntag in Jerusalem einzog, hat er diese Ankündigung wahrgemacht.

So ist Jesus Christus. Er kommt so und nicht anders zu uns. Nicht, weil er sich nichts anderes leisten könnte, sondern weil wir uns nichts anderes leisten können. Die Menschwerdung Jesu, an die wir im Advent denken, ist buchstäblich genau das: Mensch-werden mit allen Konsequenzen, von Anfang bis zum Ende.

In Christus kommt der allmächtige Gott zu uns ohnmächtigen Menschen, er teilt unsere Niedrigkeit. Vielleicht haben wir uns schon zu sehr daran gewöhnt, diese Botschaft alle Jahre wieder zu hören. Dabei ist es schon bemerkenswert: Es ist eigentlich niemals harmlos, wenn Gott zu den Menschen kommt, es kann sogar sehr schrecklich und furchteinflößend sein.

Aber nicht hier. Gott wird Mensch, dass keiner erschrecken muss. Ein Reiter auf einem Esel, ein kleines Baby ¬ nicht Angst vor Gott ist der Grundton des Glaubens, sondern Freude. Freude über den, der Frieden stiftet, viel umfassender als alle menschlichen Friedensbemühungen das könnten.

Freue dich sehr! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes neues Kirchenjahr und eine fröhliche Adventszeit.

Ihre Andrea Grünhagen

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