Angedacht!


„Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“

1. Korinther 1,9


Dr. Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

eine Einladung bekommen die meisten Menschen gerne. Man freut sich, dass man dabei sein darf. Eine Einladung drückt Wertschätzung aus. Oder sie drückt zumindest die Anerkennung der Tatsache aus, dass man warum auch immer einzuladen ist, weil eine Beziehung besteht oder man wichtig ist. Im schlechtesten Fall bekommt man sogar gerne eine Einladung, damit man sie ablehnen kann. Das bedeutet ja umgekehrt, wer andere einlädt, macht sich verletzlich. Es könnte ja sein, dass niemand kommt.

Gott hat sich verletzlich gemacht. Als Gott der Vater seinen Sohn in die Welt sandte, ist er dieses Risiko eingegangen. Christus hat Menschen eingeladen und sie in seine Gemeinschaft geholt. Seine Tischgemeinschaft mit allen war ein Zeichen dafür.

Was bedeutet es dann, wenn Paulus schreibt: Gott hat euch berufen? Könnte man sagen: Gott hat euch eingeladen? Oder ist das vielleicht zu wenig? Ist eine Berufung vielleicht so etwas wie eine sehr verbindliche Einladung?

Wenn von offizieller Seite eine Berufung ausgesprochen wird, ist das bedeutungsvoll und hat unter Umständen auch rechtsverbildliche Konsequenzen. Eine Berufung ist nicht allgemein, sondern Berufungs- oder Ernennungsurkunden sind personalisiert und mit Siegel und Unterschrift versehen.

Das sollen wir uns gesagt sein lassen: Gott meint mich, ganz explizit mich. Er möchte mich ausdrücklich und zeitlich unbefristet in der Gemeinschaft seines Sohnes haben. Ich stehe auf der himmlischen VIP-Gästeliste! Ich bin ihm sehr wichtig, es ist ihm ein Anliegen, dass ich dabei bin.

Aber natürlich kann ich auch sagen: „Mir doch egal! Ich muss ja nicht jede Einladung annehmen und außerdem haben ich viel bessere Alternativen.“ Wir Menschen wären nach so einer Abfuhr geneigt, irgendwann aufzugeben. Gott nicht, Gott ist treu. Treusein bedeutet, nicht aufzugeben. Egal was ist, nicht aufgeben, den anderen nicht abschreiben, nicht mit Schlussstrichen drohen. Als Mensch gelingt uns das nicht immer und manchmal ist es auch nötig, Grenzen zu setzen, um uns selbst zu schützen.

Gott hat sich selbst dann nicht geschützt, als Menschen seinen Sohn ans Kreuz geschlagen haben. Er erträgt es bis zu unserem letzten Atemzug, dass wir auf seine ständigen unverdrossenen Einladungen abweisend reagieren, von einem leicht genervten Schulterzucken bis zu schmollendem Schweigen. Christus möchte Gemeinschaft mit uns haben. Weniger in christlicher Insider-Sprache gesagt: Jesus möchte Zeit mit dir verbringen. Er will, dass du mit ihm redest und ihm zuhörst, ausführlich oder kurz zwischendurch. Er möchte die Zeit mit dir im Gottesdienst und besonders an seinem Tisch beim Abendmahl. Und er ist richtig hartnäckig. Er wird nicht aufgeben, bis zu deinem letzten Atemzug wir er nicht aufgeben. Seine Treue ist unverbrüchlich. Gott sei Dank!

Ihre Andrea Grünhagen

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