Angedacht!


"Lobet den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr sein Wort ausführt, dass man höre auf die Stimme seines Wortes! Lobet den Herrn, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!“

Psalm 103,20f


LiDr. Andrea Grünhagenebe Leserinnen und Leser,

„Engel geht immer.“, sagte ein Pastor nach einer anstrengenden Woche, in der er drei Beerdigungen, zwei Trauungen und eine Taufe gehalten hatte. „Engel?“ „Ja, klar, „sagte er, Engel sind positiv. Es gibt niemanden, der irgendwas an Engeln problematisch findet. Die Leute mögen Engel. Egal ob in der Tauf- oder Beerdigungsansprache, auch bei Hochzeiten sind sie nicht unbeliebt. Engel geht immer.“

Also gut. Aber wieso ist das so? Gerade an biographisch bedeutsamen Punkten des Lebens tut der Hinweis auf die guten, bewahrenden Mächte gut, die uns in Gottes Auftrag umgeben und begleiten. Vielleicht liegt es daran, dass der Gedanke an einen persönlichen Schutzengel auch bei den Menschen oft noch präsent ist, die sonst mit Kirche nicht mehr viel am Hut haben.

Auch in esoterischen und abergläubischen Kreisen haben die Engel, besonders der Erzengel Michael Hochkonjunktur. Da ist dann von irgendwelchen Lichtwesen die Rede, deren Kräfte wir uns durch besondere Rituale nutzbar machen können. Mit der Bibel hat das nichts zu tun.

Aber was genau feiern wir als Christen eigentlich am „Tag des Erzengels Michael und aller Engel“? Die beiden Verse aus Psalm 103 verraten uns viel darüber, wie die Bibel von den Engeln Gottes redet. Zunächst: Engel: sind Geschöpfe, mächtige Wesen in der unsichtbaren Welt Gottes. „Starke Helden“ werden sie hier genannt. Der Erzengel Michael ist dabei der starke Held an sich. Er ist der „Fürst über das Heer des Herrn.“ (Josua 5,14). Genannt wird er auch in Daniel 10,13; Daniel 12,1, Judas 9 und vor allem in Offenbarung 12,7-12. Michael, sein Name ist hebräisch und bedeutet: wer ist wie Gott?, ist der Gegenspieler Satans und in gewisser Weise auch sein Bezwinger. Der Engelfürst kämpft gegen das Böse und schützt das Volk Gottes.

Engel haben aber auch andere Aufgaben. Sie führen Gottes Wort aus. Da kann man zum Beispiel an den Erzengel Gabriel denken, wie er Zacharias die Geburt Johannes des Täufers ankündigt (Lukas 1,8ff) und, besonders wichtig, als er der Jungfrau Maria verkündigt, dass sie die Mutter Gottes werden soll. (Lukas 1,26ff). In der Botschaft des Engels ereignet sich das, was er ankündigt, so führt er Gottes Wort aus.

Die Engel sind die Heerscharen Gottes, nicht zuletzt sind sie Gottes Diener, sein himmlischer Hofstaat. Sie loben ihn und führen seinen Willen aus.

Und da kommen wir ins Spiel. Man könnte sagen, die Engel sorgen auf für uns meist unsichtbare Weise dafür, dass „Gottes guter gnädiger Wille auch bei uns geschieht.“ Wer sich vorstellen möchte, wie es dabei zugehen mag, der lese einmal im Buch Tobit, welche Rolle der Erzengel Raphael dort spielt.

Wären unsere Augen dazu in der Lage, könnten wir wahrscheinlich jeden Tag unzählige Situationen wahrnehmen, in denen uns vielleicht der Schutz der Engel vor einem Unfall bewahrt, ihr Wirken uns auf das Wort Gottes hingewiesen, ihr Lob sich im Gottesdienst mit unserem Lied vereinigt und ihr Beistand unser Tun begleitet hat.

Aber das alles geschieht nie aus eigener Macht, die Engel sind und bleiben Gottes Diener. Darum werden sie in der lutherischen Tradition auch keinesfalls angebetet, auch nicht um Hilfe angerufen und ganz selten nur einmal direkt angesprochen, so wie in diesem Psalmvers. Im ganzen Kirchenjahr geschieht das in allen Gebeten nur ein einziges Mal, nämlich in der heiligen Osternacht.

Es kann und soll ein Christ aber täglich morgens und abends mit Martin Luthers Morgen- und Abendsegen Gott bitten: „Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“ Das geht tatsächlich immer.

Andrea Grünhagen

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