Dokuserie „Berufen“


Ein Blick hinter die Kulissen des Alltags als Pfarrer.


Berufen

Was macht ein Pfarrer eigentlich den ganzen Tag? Wie sieht sein Alltag aus, was gehört zu seinem Beruf und was hat ihn dazu bewegt, sich in einer modernen Welt für das Pfarramt zu entscheiden?“ Diesen Fragen geht die YouTube-Serie „Berufen“ der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) nach.

Jede Folge gibt einen individuellen Einblick in eine Gemeinde, in Ausschnitte aus dem Gemeindeleben und in das, was der jeweilige Pfarrer tut. Dabei geht es nicht nur um Gottesdienste und Predigten. Auch Hausbesuche, Bibelstunden, Kinder- und Jugendarbeit, Gespräche und viele andere Aufgaben gehören zum Pfarralltag. Gleichzeitig bekommen die Zuschauer Einblicke hinter die Kulissen und erfahren mehr über die Herausforderungen, aber auch über die schönen Seiten des Amtes.

Ein wiederkehrender Bestandteil der Serie ist die Frage, wie der jeweilige Pfarrer überhaupt zum Pfarramt gekommen ist. Denn auch hier gibt es nicht den einen Weg. Manche haben schon früh darüber nachgedacht, andere sind eher auf Umwegen dort angekommen.

Die erste Folge führt nach Hannover zu Pfarrer Andreas Otto. Otto erzählt, dass er früher eigentlich zur Berufsfeuerwehr gehen wollte. Irgendwann stellte er jedoch fest, dass er sich nicht vorstellen konnte, diesen Beruf sein ganzes Leben lang auszuüben. Vor dem Abitur wollte er wissen, wohin sein Weg führen sollte. Er kannte einige Studenten in Oberursel und so entstand die Idee auch Theologie zu studieren. Auch seine eigenen Erfahrungen aus einem Pfarrhaushalt spielten dabei eine Rolle. Das Leben, an das er sich aus seiner Kindheit erinnert, beschreibt er als etwas sehr Schönes und Angenehmes.

Er spricht außerdem offen darüber, dass Zweifel zum Leben dazugehören können. Und trotz aller Herausforderungen sagt er über seinen Beruf: „Für mich ist der Beruf des Pastors der schönste Beruf, den man haben kann, weil du mit Leuten, von der Wiege bis zur Bahre, zu tun hast.“

Auch für Pfarrer Sebastian Anwand war der Weg ins Amt ein Prozess. Er sagte im Interview: „Es gab nicht den einen Moment oder die eine Situation, wo mir klar war: Ich werde Pastor.“ Er erzählt, wie er in einer guten Gemeinde aufwachsen durfte, wie Gott ihn auf diesem Weg geleitet hat und welche wichtige Rolle der Pfarrer dort dabei spielte, ihn zu ermutigen. „Mein Pastor hat damals eine total wichtige Rolle gespielt. Er hat immer wieder mich mal darauf angesprochen, dass er sich vorstellen könnte, dass ich ein guter Pastor wäre.“

Auch die musikalische Gestaltung in der Gemeinde in Potsdam ist eine ganz besondere. Es gibt viele begabte Kirchglieder, die mit großem Einsatz den Gottesdienst und seine musikalische Begleitung gestalten, was diesen Ort zu einem ganz Besonderen macht. Auch darüber spricht Pfarrer Anwand. Über die Jahre ist ihm vor allem auch dieses immer wichtiger geworden, auch im Hinblick auf eine sehr sorgfältige Arbeit bei der Auswahl und Bestimmung der Lieder, die im Gottesdienst gesungen werden sollen.

Niklas Brandt ist seit Kurzem der Pfarrer der Gemeinden Allendorf/Ulm und Gemünden. Für ihn ist besonders auch die Lehre in den Gemeinden wichtig, also die Arbeit daran, die eigene Gemeinde außer in der Predigt am Sonntag zu lehren, mit ihnen Bibelkreise zu machen. Er sagt dazu: „Es fühlt sich gar nicht wie Arbeit an, denn ich selber zehre so viel aus den Gesprächen, dass es auch mein eigenes Glaubensleben unheimlich bereichert.“

Pfarrer Matthias Tepper und seiner Frau Michelle ist es wichtig, nah an der Gemeinde und den Menschen zu sein, und das zeigt sich auch in ihrem Alltag. Während der Dreharbeiten waren gleich zweimal Gemeindeglieder im Pfarrhaus zu Gast. Sie meinen, dass ihnen dieses wichtig ist, um die Gemeindeglieder wirklich kennenzulernen, und dass es eine wichtige christliche Tugend ist: die Gastfreundschaft. So findet auch der Bibelkreis für junge Frauen „Mug and Muffin“ bei ihnen im Wohnzimmer statt und nicht etwa im Gemeinderaum.


Hinter der Kamera

Als Medienreferentin der SELK bin ich selbst mit eher oberflächlichem Wissen darüber, was der Pfarrerberuf im Alltag tatsächlich bedeutet, an dieses Projekt herangegangen. Durch die Dreharbeiten bekomme ich einen Einblick in einen Bereich, den viele Menschen so vermutlich nicht sehen.

Manchmal fühle ich mich dabei wie eine Fliege an der Wand: Ich bin dabei, beobachte und bekomme durch die Dreharbeiten Einblicke in das Leben und die Arbeit eines Pfarrers und seiner Familie, die man sonst nicht unbedingt bekommen würde.

Besonders deutlich wurde mir das bei den Dreharbeiten mit Pfarrer Renatus Voigt in Nürnberg. Wir waren während dieser Tage gefühlt ständig unterwegs. Schon am Freitag ging es zu einem Gottesdienst in Crailsheim, rund 100 Kilometer weiter weg los. Am Samstag fand am Vormittag das Interview statt, das insgesamt etwa drei Stunden dauerte. Danach ging es weiter zum Kinderbibeltag, der bis in den frühen Abend hineinreichte.

Am Sonntag klingelte der Wecker erneut früh. Um 7.30 Uhr saßen wir im Auto auf dem Weg zur Gemeinde in Mühlhausen. Danach ging es wieder zurück nach Nürnberg, wo ein Gottesdienst, Kirchenkaffee und anschließend noch ein Bibelgesprächskreis auf dem Programm standen. In diesen Tagen kam außerdem noch ein Hauskreis dazu.

Allein von der Teilnahme an diesen vielen Fahrten und Veranstaltungen war ich erschöpft. Dabei musste ich mir immer wieder vor Augen halten: Für den Pfarrer ist das nicht einfach ein außergewöhnliches Drehwochenende. Das ist sein Alltag. Ich habe dadurch einen ganz neuen Respekt für meinen ehemaligen Pfarrer Renatus Voigt und seine Familie bekommen.


Was mir besonders hängen geblieben ist

Neben den vielen unterschiedlichen Aufgaben ist es vor allem die Liebe, die die Pfarrer zu ihrer Arbeit und zu Gott haben, die mich beeindruckt, und die Bereitschaft, Zeit in diesen Beruf und in ihre Gemeinden zu investieren in einer Welt, in der viele Menschen ihre Zeit nicht auf diese Weise einsetzen würden.

Dabei ist mir auch immer mehr aufgefallen, wie viel die Pfarrfrauen für ihre Männer und für die Gemeinden leisten. Vieles davon geschieht eher im Hintergrund und wird vielleicht gar nicht als Teil der Arbeit wahrgenommen. Sie tragen diesen besonderen Lebensweg mit, müssen an vielen Stellen gemeinsam mit ihren Ehemännern ausharren und leisten dabei selbst wertvolle Arbeit.

Was die Serie ebenfalls deutlich macht, sind die Unterschiede zwischen den Gemeinden. Und diese Unterschiede sind tatsächlich groß. Es geht nicht nur um die Größe einer Gemeinde. Jede Gemeinde hat ihre eigene Kultur, ihre eigenen Traditionen, ihre eigenen Schwerpunkte und ihre eigene Art, Gemeinde zu leben.

Gerade deshalb ist es spannend, mit „Berufen“ nicht nur einen einzelnen Pfarrer vorzustellen, sondern verschiedene Menschen und Gemeinden kennenzulernen. Alle haben denselben Beruf und doch sieht ihr Alltag jeweils ganz anders aus.

Bisher wurden fünf Folgen der Serie „Berufen“ gedreht. Zwei davon sollen in den kommenden Wochen und Monaten erscheinen, weitere Folgen sind bereits in Planung.

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