FAQ zur Arbeit der synodalen Einheitskommission (SynKoEinheit)
Anlage zum Zwischenbericht auf der vierten Tagung der 15. Kirchensynode 2026
Stand: 23.09.2026
1. Die SynKoEinheit plant, mit Hilfe einer externen professionellen Begleitung einen neuen Weg im derzeitigen Dilemma der SELK in der Frage der Frauenordination (FO) zu öffnen. Welchen Vorteil hätte solch eine Begleitung?
Eine externe, allparteiliche Begleitung eröffnet die Chance, die festgefahrenen theologischen und emotionalen Auseinandersetzungen zu unterbrechen: So können Menschen auf der Ebene der gemeinsamen Glaubens- und Hoffnungserfahrung neu miteinander ins Gespräch kommen. Diese Begleitung ist keinem bestimmten Ergebnis verpflichtet, sondern hilft der SELK, methodisch und geistlich fundiert einen gemeinsam getragenen Weg zu finden.
2. Was soll eine externe (Kommunikations-)Beratung konkret in der Frage der FO helfen? Im Grunde geht es doch um ein zutiefst geistliches Problem.
Es stimmt: Im Kern ist dies ein geistliches, theologisches Anliegen und daher ist der Prozess als geistlicher Weg angelegt. Die externe Begleitung nimmt uns diese geistliche, theologische Arbeit nicht ab und trifft keine inhaltlichen Entscheidungen. Ihre Aufgabe besteht darin, einen passenden Rahmen zu schaffen, in dem wir die eingefahrenen Muster unterbrechen, wirklich aufeinander und auf den Heiligen Geist hören und den wesentlichen Fragen nachgehen können.
3. Ist es nicht viel zu spät für solch einen Weg? Etliche Gemeindeglieder haben die SELK bereits verlassen oder stehen kurz davor. Ganze Gemeinden denken ernstlich über ihr Ausscheiden aus der SELK nach.
Ja, es ist spät und für einige ist es leider bereits zu spät. Wir wollen uns durch diese schmerzliche Erkenntnis jedoch nicht entmutigen lassen, sondern nun gerade dem Heiligen Geist Raum zum Wirken geben. Lassen wir uns durch das Gleichnis vom Feigenbaum (Luk. 13,6-9) ermutigen: Hoffnung trägt auch noch dort, wo vieles verloren scheint.
4. Wie soll dieser neue Weg konkret aussehen?
Wir verstehen diesen Weg als „geistliche Oasenzeit" – ad fontes, zurück zu den Quellen. Im Zentrum steht, gemeinsam zur Ruhe zu kommen, neu auf Gottes Wort zu hören und Christus zu feiern. Dann fragen wir gemeinsam neu nach dem „Warum“ unseres Glaubens – nach dem tragenden Grund und dem Kern unserer Hoffnung – und nach dem „Wozu“ unseres Kircheseins. Dieses geistliche Fundament ist kein Ausweichen vor der strittigen Frage, sondern der Boden, auf dem wir ihr neu begegnen. Begleitet werden diese Gespräche in den Gemeinden von qualifizierten Moderatorinnen und Moderatoren.
5. Wie sieht die zeitliche Planung aus?
Es ist geplant, die Oasenzeit zum 1. Advent 2026 zu beginnen und über das erste Halbjahr 2027 fortzuführen. Sie ist der erste große Abschnitt eines Weges, der bis 2028 zu einer gemeinsam verantworteten Entscheidung führen soll – wie diese auch immer aussehen wird. Die Oasenzeit endet also nicht mit Beginn der 16. Kirchensynode im Juni 2027, sondern geht dann - sofern sich die Synode dafür entscheidet – in eine Phase der Konkretion über: Bis Ende 2028 werden die möglichen Lösungswege organisatorisch, rechtlich, pastoral und theologisch durch-gearbeitet, in den Gemeinden beraten und schließlich zur Entscheidung gebracht. Für den gesamten Weg sind also gut zwei Jahre vorgesehen mit einem von Anfang an verbindlich festgelegten Endpunkt.
6. Wie stehen die Kirchenleitung, das Kollegium der Superintendenten und die Pfarrer zu dem geplanten neuen Weg? Müssen diese nicht zustimmen?
Der geplante neue Weg kann nur beschritten werden, wenn er von der deutlichen Mehrheit der geistlich verantwortlich leitenden Menschen in unserer Kirche unterstützt wird. Zum derzeitigen Stand der Planungen (September 2026) hat die Kirchenleitung bereits den neuen Weg befürwortet. Die detaillierte Projektvorstellung in der Kirchenleitung, im Kollegium der Superintendenten und vor der gesamten Pfarrerschaft steht aber noch aus. Entsprechende Termine sind jedoch bereits geplant. Die Sitzung des Kollegiums der Superintendenten findet vom 21.– 24.10.2026 in Hannover und ein Sonder-APK am 30. Oktober 2026 in Haydau statt. Die SynKoEinheit hofft, dass sich dann auch viele Gemeindeglieder auf diesen neuen Weg mitnehmen lassen werden.
7. Können wir am Ende dieser „geistlichen Oasenzeit“ sicher davon ausgehen, dass die FO in der SELK eingeführt wird? Oder – im anderen Fall – dass sie nicht eingeführt werden wird?
In beiden Fällen: nein. Es gehört zum Wesen dieser Oasenzeit, dass wir nicht von vornherein auf ein bestimmtes Ergebnis hinarbeiten. Die nächste Kirchensynode wird ab 2027 die Weichen dafür stellen, welche Wege die SELK in Zukunft beschreiten wird. Wird ein gemeinsamer, tragender Grund gefunden, kann konkret darüber befunden werden, wie die Einheit gestaltet und mit Leben gefüllt wird. Wird er nicht gefunden, gilt es, die Trennung vorzubereiten und in Würde und Besonnenheit zu gestalten. Als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass unsere Zukunft nicht einem blinden Schicksal unterliegt, sondern dem liebevoll zurechtbringenden Wirken des Heiligen Geistes.
8. Ist das Ganze im Grunde nicht ein Moratorium unter anderem Namen?
Nein. Ein Moratorium wäre eine bloße Übereinkunft, den Streit um die Frauenordination für eine Weile ruhen zu lassen. Das wäre ein Aussetzen ohne Ziel und ohne Endpunkt. Genau das ist dieser Weg nicht. Der geplante Prozess ist jedoch klar terminiert und endet im November 2028 - dann wird entschieden, wie die Zukunft der SELK aussehen soll. Es geht um die bewusste und aktive Eröffnung eines gemeinsamen geistlichen Gestaltungsraumes, einer geistlichen Oase inmitten der Wüste. Und dieser Raum ist auf ein Ziel hin angelegt. Wir kommen nicht zur Ruhe, um die Frage aufzuschieben, sondern um von einem tragenden Grund aus zu einer gemeinsam verantworteten Entscheidung zu gelangen.
9. Was ist die Rolle der SynKoEinheit in diesem Prozess?
Die SynKoEinheit bildet die Steuergruppe des Prozesses und verantwortet Planung, Koordination und Kommunikation. Bei Bedarf wird sie dabei von der Trennungskommission unterstützt werden. Die Steuergruppe fungiert als Schnittstelle zwischen externer Begleitung, Kirchenleitung, Synode, Pfarrern und Gemeinden. Dabei hat sie keinen eigenen inhaltlichen Gestaltungsauftrag und verändert keine Arbeitsergebnisse. Ihre Aufgabe ist es, den Rahmen zu sichern, in dem alle Beteiligten gehört werden, und alle Optionen neutral zu behandeln. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, dass auch die Stimmen Gehör finden, die in der öffentlichen Debatte bislang wenig vorkamen.
10. Warum wurde die Kirchensynode nicht gefragt, ob sie mit diesem zukünftigen Weg der SynkoEinheit überhaupt einverstanden ist?
Die Kirchensynode hatte im September 2025 in Fulda die Einheits- und die Trennungskommission eingesetzt und diese jeweils mit einem klar umrissenen Arbeitsauftrag bis zur 16. Kirchensynode 2027 betraut. Das setzt ein grundlegendes Vertrauen in die Arbeit der Kommissionsmitglieder voraus, sodass einzelne Arbeitsschritte nicht extra von der Synode bestätigt werden müssen, wenn sie diesem Auftrag entsprechen. Damit ist die Synode implizit Auftraggeberin des Prozesses. Ob die Synode dann auch den zweiten, strukturellen Teil des Prozesses angehen will, kann sie auf der Tagung im Sommer 2027 entscheiden.
11. Eine externe Beratung ist teuer. Wer soll das bezahlen?
Gute Prozessbegleitung kostet Geld; das ist so. Die Frage ist, was die Alternative kostet. Der eigentlich teure Weg wäre, die Frage weiter ungelöst zu lassen: schleichende Austritte, wachsende Zermürbung und am Ende womöglich eine ungeordnete Spaltung mitten durch Gemeinden und Familien. Gemessen daran ist ein strukturierter, zeitlich befristeter Weg zu einer klaren Entscheidung die deutlich verantwortbarere Investition, unabhängig davon, wohin er führt. Unterstützt wird der Prozess von der Kirchenleitung; sie entscheidet über das Budget für die externe Begleitung.
12. Wo werden in diesem Prozess die Gemeindeglieder eingebunden?
Sofern die Mehrheit der Kirchenleitung, der Superintendenten und der Pfarrer dem Prozess grundsätzlich zustimmt, werden die Gemeindeglieder um aktive Unterstützung gebeten: Mit Beginn des neuen Kirchenjahrs am 1. Advent 2026 und nach einer Moderatoren-Schulung sind sie bis Mai 2027 in besonderer Weise gefragt, aufeinander sowie auf den Geist Gottes und das göttliche Wort zu hören. Im weiteren Verlauf werden die Kirchenglieder und die Gemeinden einbezogen, um Resonanz zu geben zu dem, was in Arbeitsgruppen erarbeitet worden ist.
13. Denkt die SynKoEinheit auch über Strukturen nach, um denjenigen Gemeinden, welche die FO einführen möchten, dauerhaft eine Zukunft zu bieten? Der im Zwischenbericht genannte vierte Themenvorschlag zur Bearbeitung für die Pfarrkonvente „Strukturelles Nachdenken (Organisationsformen)“ deutet ja darauf hin. Aber wie verträgt sich das mit dem Arbeitsauftrag der SynKoEinheit, welcher die Bewahrung der Einheit ohne Änderung der Grundordnung als „handlungsleitendes Interesse“ definiert?
Der Arbeitsauftrag der Kommission ist an dieser Stelle nicht ganz eindeutig: Ist a) eine Ordnungsänderung gänzlich ausgeschlossen oder ist b) nur ausgesagt, dass Änderungen auf den in der Ordnung festgelegten Wegen erfolgen müssen? Deshalb hat die Einheitskommission auch diese Fragen mitgedacht. Die angesprochenen Strukturüberlegungen sind ausdrücklich Bestandteil des geplanten Prozesses, liegen aber nach der nächsten Synode im Sommer 2027 und können also von der Synode neu bewertet werden. Darüber hinaus ist der Prozess ja eben ergebnisoffen: Damit können APK und Synode sich während des Prozesses für und gegen die einzelnen Strukturüberlegungen entscheiden, je nachdem, welche Lösungen sich im Licht des in Teil 1 des Prozesses gefundenen tragenden Grund sinnvoll erscheinen. Auch die Gemeinden werden zu diesen Überlegungen gehört. Bis zur Synode 2027 folgt die Einheitskommission klar ihrem Arbeitsauftrag, indem sie durch die geistliche Unterbrechung der Oasenzeit und die damit verbundene Suche nach einem tragenden Grund ein Gespräch innerhalb der Kirche neu ermöglicht.
14. Was tun wir, wenn wir am Ende dieser „geistlichen Oasenzeit“ feststellen müssen: Diese Zeit hat uns auch nicht weitergebracht – wir stehen noch genau dort, wo wir vor einem Jahr waren?
Dieser Fall – dass wir am Ende genau dort stünden wie zuvor – kann so nicht eintreten, denn der Weg bleibt an diesem Punkt nicht stehen. Selbst wenn die gemeinsame Suche ernüchternd verläuft, führt sie zu einer Erkenntnis, mit der wir weiterarbeiten. Denn es kann sein, dass sich in dieser Zeit zeigt: Es gibt keinen gemeinsamen Grund, der über die Unterschiede hinweg trägt. Auch das wäre kein vergebliches Ergebnis, sondern eine wichtige Klärung. Sie würde bedeuten, dass die Einheit die Last der Differenz nicht tragen kann. Das wäre eine ehrliche Grundlage, den anderen Weg zu gehen: eine Trennung in Würde und Verbundenheit. In diesem Vertrauen dürfen wir uns auf die Stille einlassen: dass Gott auch dann wirkt und uns weiterführt, wenn das Ergebnis ein anderes ist als erhofft.
15. Das ist etwas ganz Neues – so etwas haben wir ja noch nie gemacht. Worauf lassen wir uns da nur ein?
Ja, in dieser Form sind wir diesen Weg als SELK noch nie gegangen. Weil jedoch die vertrauten Wege über Jahrzehnte nicht weitergeführt haben, versuchen wir bewusst etwas anderes. Neu ist dabei aber nur die Form. Das Eigentliche ist so alt wie die Kirche selbst und zutiefst lutherisch: gemeinsam innezuhalten, auf Gottes Wort zu hören und miteinander nach seinem Willen zu fragen, statt miteinander zu streiten. Die Idee einer grundlegenden geistlichen Erneuerung ist in den letzten Jahren von Pfarrern wie von Gemeindegliedern immer wieder praktiziert worden.
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