Begegnungskonvent in Gernrode
Vom 21. bis 23. September 2026 kamen die Pfarrer der Kirchenbezirke Lausitz und Rheinland-Westfalen im Cyriakushaus Gernrode im Harz zu einem gemeinsamen Begegnungskonvent zusammen. 14 Pfarrern im aktiven Dienst und zwei Pfarrer im Ruhestand genossen das kleine Tagungshaus der Evangelischen Kirche Anhalts. Zeitweise nahm auch Bischof Hans-Jörg Voigt an der Tagung teil. Im Mittelpunkt stand der gemeinsame Austausch über die Frage der Ordination von Frauen zum Amt der Kirche. Grundlage der Beratungen waren die Aufträge, die von der synodalen Einheitskommission für die Pfarrkonvente der SELK erarbeitet wurden.
Im Gespräch über die verschiedenen Themenfelder kam es immer wieder zu anregenden Diskussionen, die bei allen unterschiedlichen Positionen von großer Fairness geprägt waren. So zeigten sich bezüglich der neutestamentlichen Stellen zum sogenannten Schweigegebot für Frauen im Gottesdienst schnell die unterschiedlichen Zugänge zum Stellenwert der entsprechenden Texte. Das Plädoyer für ein sakramentales lutherisches Amts- und Ordinationsverständnis auf dem Hintergrund des Artikels 13 der von Philipp Melanchthon verfassten Apologie des Augsburger Bekenntnisse, das Bischof Voigt in einem Referat einbrachte, erfuhr in der Debatte eine Einordung in den historischen Kontext. Erhellend war daneben eine Rückbesinnung darauf, dass bei der Gründung der SELK unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in der Lehre vom Amt der Kirche eingeflossen sind und seit dem gemeinsam getragen werden. Beim Themenkomplex um die Bekenntnisrelevanz der Ordination von Frauen ergab sich aus den Beiträgen eine Divergenz, die sich aus den jeweiligen Interpretationsmustern speist und von daher weiterhin bearbeitet werden müsste. Schlussendlich befassten sich die Teilnehmer mit Modellen einer zukünftigen SELK (Enklave/Automoniestatus, Kirchenbund, Gemeindebund), die nicht alternativ, sondern auch sukzessiv gedacht werden könnten.
Neben der inhaltlichen Arbeit kam das geistliche Leben nicht zu kurz, für das die über tausendjährige Stiftskirche St. Cyriakus exklusiv genutzt werden konnte. In der einzigartigen, meditativen Atmosphäre dieser romanischen Kirche Mitteldeutschlands feierten beide Konvente einen Beichtgottesdienst, Morgen- und Abendandachten sowie einen Abendmahlsgottesdienst. Am zweiten Abend lud ein geselliges Beisammensein bei Köstlichkeiten vom Grill und regionalen Bierspezialitäten aus beiden Bezirken zum persönlichen Austausch ein.