Kirchengeschichte an den Landesbühnen Sachsen (Radebeul)
Der für Ökumenefragen zuständige Kirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands (LELB) Pfarrer Andris Krauliņš (Riga) besuchte während seines dienstlichen Deutschlandbesuches gemeinsam mit Pfarrer Benjamin Rehr und dessen Ehefrau die Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Gegeben wurde das Stück "Won do swěta" (Auf in die Welt), eine musikalisch-szenische Collage über die sorbischen Auswanderer von Esther Undisz. Das Stück behandelt die Geschichte der altlutherischen Sorben. Die altlutherische Kirche war eine Vorgängerkirche der SELK. Im Mittelpunkt der Handlung des Stückes steht der Weigersdorfer Pastor Jan Kilian und seine sorbische Gemeinde. Jan Kilian ist im Jahr 1854 mit etwa 600 Sorben von Weigersdorf nach Texas (USA) ausgewandert.
Sechs Schauspieler und Schauspielerinnen ließen die Geschichte in der damals gesprochenen sorbischen Sprache (mit Simultanübersetzung ins Deutsche) lebendig werden. So wurde auch ein wichtiger Auswanderungsgrund mehrfach benannt: Man wollte den lutherischen Glauben in Freiheit leben.
Bis heute gibt es in Texas Nachfahren dieser Auswanderer, die zumeist zur Lutherischen Kirche Missouri-Synode (LCMS) gehören und die sorbische Kultur weiter pflegen. Die heutigen SELK-Gemeinden in Weigersdorf und Klitten teilen diese gemeinsame sorbische Geschichte.
Bereits im Foyer wurden die Besucher informiert durch eine Ausstellung über Pastor Jan Kilian, die sonst in Weigersdorf zu besichtigen ist. Pfarrer Benjamin Rehr: „Es ist bewegend, dass man 90 Kilometer von Weigersdorf nach Radebeul fährt, um dort die Geschichte der eigenen Gemeinde zu erleben! Das zeigt, wie sehr uns bis heute die gemeinsame sorbische Geschichte über Landes- und Kirchengrenzen hinweg verbindet.“
Kirchenrat Pfarrer Andris Krauliņš zeigte sich sehr beeindruckt von dem Stück. Er finde es bemerkenswert, dass die Landesbühnen Sachsen sich mit dieser kirchlichen Geschichte auseinandersetzen.