Überraschend in Südafrika


Tobias Schütze (28) war bis Ende Februar dieses Jahres als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Lutherischen Theologischen Hochschule (LThH) der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Oberursel tätig. Eigentlich hätte sein Dienst dort noch länger dauern sollen, aber das südafrikanische Partnerseminar der LThH, das Lutheran Theological Seminary in Pretoria, brauchte ihn dringend als theologischen Lehrer … Und so kam es zu diesem Wechsel. Für selk.de erzählt Tobias Schütze kurzweilig die ganze Geschichte.


Südafrika

Liebe Leserinnen und Leser von SELK.de,

im letzten März bin ich aus dem wunderschönen Hochtaunus ins ganz andere, aber ebenso ‚lekkere‘ Pretoria in Südafrika gezogen, um dort am Partnerseminar der Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel (LThH), dem Lutheran Theological Seminary (LTS) zu arbeiten. Hatte ich in Oberursel schon seit anderthalb Jahren als Assistent Bibelkunde und Systematische Theologie unterrichtet, war dieser Schritt vielleicht von außen recht logisch. Allerdings war er doch sehr überraschend. Hatte ich als Missionsstudent schön länger mit einem Wechsel nach Südafrika geliebäugelt (die südafrikanischen Kommilitonen im Studium waren da nicht ganz schuldlos), kam die Anfrage im letzten Januar doch mehr als unerwartet und – vielleicht typisch Kirche oder Mission – in einem äußerst unvorhergesehenen Moment.

SeminarDer eigentlich für den Unterricht, der am LTS immer im Februar startet, vorgesehene Dozent hatte VISA–Probleme (mittlerweile konnte er unsere Fakultät bereichern), sodass schnell Ersatz hersollte. Trotzdem war es, so sieht es zumindest für mich aus, eher eine etwas zufällige Idee, mich zu fragen. Schnell zu kommen war für mich theoretisch kein Problem, habe ich doch die südafrikanische Staatsangehörigkeit, und brauchte somit im Grunde nur noch ein Flugzeug. Überhaupt auf die Idee zu kommen, an das LTS zu wechseln, lag aber wohl eher daran, dass ich bereits im Januar aus Anlass der Hochzeit meines Cousins nach Südafrika gereist war. Dort traf ich auf meinen Onkel Missionar Christoph Weber, der sogleich die Möglichkeit beim Schopf ergriff und mich, während ich gerade beim Abwaschen war, fragte, ob ich nicht einfach ‚in drei Wochen‘ mal kurz nach Südafrika ziehen wolle. Die Wege des Herrn sind unergründlich!

Danach ging alles sehr schnell – und musste sehr schnell gehen. Ich hatte eigentlich noch ein halbes Jahr in Oberursel und musste nun von dort losgelassen werden in die weite Welt. Ich bin sowohl sehr dankbar dafür, dass die Fakultät mir auf der einen Seite keine Steine in den Weg gelegt hat, obwohl es für mich nicht direkt einen neuen Assistenten in den Startlöchern gab und ich noch für Unterricht und andere Arbeiten eingeplant war. Auf der anderes Seite bin ich ihr aber auch dankbar, dass sie mich trotzdem nicht allzu leicht haben gehen lassen und der Gang nach Pretoria somit weder Flucht noch Vertreibung war.

Obwohl das Semester in Pretoria schon im Februar losging, kam ich erst Anfang März. Zum einen ging aber mein Unterrichtssemester in Oberursel noch bis Mitte Februar und zum anderen hatte ich noch drei Stadionbesuche auf meiner To-do-Liste, sodass ich erst dann ‚rübermachen‘ konnte.

Am LTS unterrichte ich nun hauptsächlich Dogmatik und Symbolik bzw. Bekenntniskunde, habe aber in diesem Semester auch die Einleitung in das Neue Testament übernommen, die das Äquivalent zur Bibelkunde in Oberursel darstellt, sodass ich zumindest ein wenig auf Bekanntes und schon einmal Unterrichtetes zugreifen kann. Da ich nebenbei immer noch mit einer Dissertation beschäftigt bin und sowohl die Oberurseler Fakultät als auch die Kirchenleitung der SELK sehr deutlich gemacht haben, dass diese doch gern irgendwann mal fertig werden dürfe (noch bin ich kein Dauerdoktorand, würde ich sagen), bin ich neben dem Unterricht nicht wirklich mit administrativen Aufgaben etc. belastet, sondern kann mich auf den Unterricht und die Doktorarbeit konzentrieren. Ich überlege zurzeit, was ich wohl nach meiner Promotion machen muss, um weiterhin keine Admin-Arbeit machen zu müssen.

Das Seminar selbst ist dem in Oberursel gar nicht unähnlich, wohnen doch die Studenten allesamt auf dem Campus, wenngleich ich der einzige Dozent bin, der dort wohnt. In den drei Jahren des Studiums werden im Großen und Ganzen die gleichen Fächer, die wir auch in Deutschland studieren, studiert, inklusive Hebräisch und Griechisch. Dabei ist zurecht ein Fokus auf die exegetischen Fächer, Altes und Neues Testament gelegt. Gleichwohl könnten aus meiner Sicht noch einige systematisch-theologische Fächer dazukommen (wobei ich dann natürlich mehr unterrichten müsste; also lieber doch nicht).

Das Seminar wird getragen von den beiden südafrikanischen Schwesterkirchen der SELK, der Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika und der Freien Evangelisch-Lutherischen Synode in Südafrika, sowie der Lutherischen Kirchenmission (oder im Volksmund: „Bleckmarer Mission“). Die Studenten aber kommen nicht allein aus diesen Kirchen, sondern auch aus unterschiedlichsten afrikanischen Ländern und auch aus verschiedenen lutherischen Kirchen, insbesondere, seit die lutherische ‚Landeskirche‘ in Südafrika ihr eigenes Seminar geschlossen hat. Wir haben also als Seminar die Möglichkeit, unterschiedlichste Studenten für unterschiedliche Kirchen zu unterrichten (und natürlich auch selbst von ihnen zu lernen), ganz nach der ‚Mission‘ des Seminars: „Die LTS ist ein Missionswerk, das sich um die Ausbildung von Multiplikatoren für die Lutherische Kirche in Afrika bemüht.“ Dies wiederum geschieht, wie die ‚Vision‘ des Seminars sagt, durch die „Bereitstellung von qualitativer konfessionell-lutherischer Ausbildung.“ – Zu der ich meinen Beitrag leisten darf.

Persönlich muss ich mal schauen, wie es für mich weitergeht. Wie oben bereits eingebracht passiert in der Mission und Kirche einiges anders, als man es mal geplant hat. Zunächst werde ich aber hier weiterarbeiten und hoffentlich im kommenden April mein Vikariat starten – wo das dann genau sein wird, werden wir sehen. Weiter als das Vikariat mag ich noch gar nicht denken – das ist noch zu lange hin. Hier bin ich schon aufgeregt auf unseren Neubau, sind die Unterrichtsräume doch schon sehr in die Jahrzehnte gekommen. Mal sehen, ob ich den Neubau noch ‚live und vor Ort‘ miterleben werde (ich durfte ja schon in Oberursel die bauliche Revolution mit dem Christiane-Kluge-Haus miterleben).

StadionZunächst freue ich mich erst einmal auf den Sommer in Südafrika (es wird zurzeit doch nachts ganz unafrikanisch kalt), wenngleich ich den ganzen Dezember im kalten Deutschland in Bibliotheken verbringen werde, damit ich auch meine Doktorarbeit in einer angenehmen Zeit vollendet kriege. Trotz meiner Geringschätzung des deutschen Winters (vielleicht der Hauptgrund, warum ich umgezogen bin), gibt es natürlich auch so einiges, worauf ich mich auch in Deutschland schon wieder freue. So ist natürlich bereits eine Fußballtour in die (vorrübergehenden?) Niederungen der Landesliga Niederrhein geplant.

Liebe Grüße und einen gesegneten Restsommer aus Pretoria – genießt die langen Abende, solange es sie in diesem Jahr noch gibt,

Tobias Schütze

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