Bildungsblüten-Tagung in Kassel | 18.10.2022

SELK: Bildungsblüten-Tagung mit Karsten Müller
Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. referierte


Kassel, 18.10.2022 - selk - Wie wäre es, eine lutherische Schule zu gründen oder ganz neue Formate der Bildung in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) umzusetzen? Das Team der "Bildungsvisionäre" (https://bildungsbooster.de/team/) aus der SELK geht fest davon aus, dass christliche Bildungsprozesse in besonderer Weise Menschen und damit Gesellschaft segensreich prägen. Sie hatten sich über ein Jahr in regelmäßigen online-Sitzungen über diese Fragen ausgetauscht und erste konkrete Ideen einem erweiterten Umfeld vorgestellt. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung war, dass die Idee von Bildungsaufbrüchen in der SELK einem breiteren Publikum vorgestellt werden sollte, um in einer inspirierenden und inspirierten Vernetzung Ideen zu sammeln und Projekte zu planen. So könnten aus "Bildungsvisionären" nun "Bildungsaktivisten" werden.

Am Anfang der kürzlich in Kassel durchgeführten Tagung gab es Raum für ein gegenseitiges Kennenlernen: Aus ganz Deutschland hatten sich über 30 Schülerinnen und Schüler, Studierende, Werktätige aus unterschiedlichsten Berufsgruppen und Pensionäre aufgemacht, um sich auf der Grundlage des Evangeliums für neue Bildungsaufbrüche in der und durch die SELK begeistern zu lassen. Schnell wurde deutlich, wie segensreich eine multiprofessionelle Perspektive auf das Thema sein kann. Das Thema Bildung bewegte nicht nur Erzieherinnen, Lehrkräfte oder Pfarrer; hier konnten noch aus ganz anderen Berufsgruppen wichtige Erfahrungen und Impulse eingebracht werden.

Oberstudienrat Karsten Müller (https://mediainres.de/about/abstract/) stellte den Gedanken der "Herzensbildung" vor, der für die Kasseler CVJM-Hochschule (https://www.cvjm-hochschule.de/), in deren Tagungshaus die Veranstaltung stattfand, grundlegend ist. Die Aspekte sollten entscheidende Koordinaten für das kommende, gemeinsame Nachdenken bieten: Wie kann in einer Zeit großer globaler Umwälzungen und gesellschaftlicher Unsicherheit, in der Kirche immer weniger Bindungskräfte entfaltet und für große Bereiche der Gesellschaft zunehmend irrelevant erscheint, die biblische Botschaft (wieder neu) als Orientierungsangebot vermittelt werden. Wie kann das Evangelium im Kontext von Bildungsanlässen seine befreiende Kraft entfalten, um das menschliche "Herz" von der exklusiven Selbstbezogenheit zu (er)lösen und sich stattdessen vertrauensvoll dem sich in Christus offenbarten Gott anzuvertrauen und empathisch dem Mitmenschen zuzuwenden. Müller strich in diesem Zusammenhang die Qualität des heilsamen christlichen Beitrags für die Gesellschaft heraus. Eine solche christliche Herzensbildung böte einen stabilen inneren Kompass in einer immer schnelllebigeren und komplexen Gesellschaft; sie würde sich durch eine beziehungsorientierte, erfahrungsbezogene und lebenspraktische Ausrichtung auszeichnen, die implizit und dadurch "fast nebenbei und automatisch" auch missionarisch wäre.

Müller präsentierte im Verlauf der Tagung beispielhafte Bildungsaufbrüche aus dem säkularen Kontext, die aufgrund ihrer optimistischen Lösungsorientierung einen motivierenden Impuls für das eigene vernetzte Engagement setzten. Im Anschluss fand anhand der Aspekte "Fundament: Heilige Schrift", "Spiritualität: Gebet", "Konfessionalität: Leben in der Gemeinde" ein Austausch darüber statt, wie die persönlichen Koordinaten als Christ für ein lutherisches Bildungsengagement aussehen könnten.

Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover) ordnete die Bildungsarbeit der SELK historisch und gesellschaftspolitisch ein und zeigte Wege für einen lutherisch pointierten gesellschaftlichen Dialog auf. Es folgte ein reger Austausch, wie ein solcher lutherischer Beitrag für einen als zunehmend ideologisch aufgeheizten gesellschaftlichen Diskurs aussehen könnte. Und wie könnte eine lutherische Bildung diesen Beitrag unterstützen, sodass er nicht zum Spielball eines "Zeitgeistes" wird, sondern mutig, kompetent und kritisch formuliert wird?

Diese Dynamik griff Müller auf, indem er von den Teilnehmenden Ideen, Fragen und Projektvorstellungen sammelte, die an genau den zuvor skizzierten gesellschaftlichen Herausforderungen anknüpften. In Form eines "Barcamps", das im Gegensatz zu "Workshops" grundsätzlich alle Teilnehmenden niedrigschwellig zu Teilgebenden macht, folgte dann in Kleingruppen ein intensiver Austausch in mehreren Zeitschienen. Hier trugen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unabhängig von Beruf, Ausbildungsstand und kirchlicher Position in immer neuen Gesprächskonstellationen eine Fülle von Ideen und konkreten Projekten für die SELK zusammen. Mit viel Engagement und Kreativität wurde über neue Bildungsaufbrüche in der SELK nachgedacht. So ging es zum Beispiel um das Potential von Freizeiten, die Gründung einer christlichen / lutherischen Schule, online Formate (z.B. https://selk-landau.de/talk), ein Freiwilliges Lutherisches Jahr / Orientierungsjahr, missionarisches Training, eine Material-Börse, die die Bildungsarbeit unterstützt, Fortbildungsangebote für die unterschiedlichen Berufsfelder in der SELK, den Auf- und Ausbau von Kinder- und Jugendarbeit, eine lutherische Akademie, die das Hochschulangebot der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel der SELK erweitert, die Projektidee "Als Christen gemeinsam wohnen".

In den gemeinsamen Andachten wurden ganz bewusst die Verheißungen in den Blick genommen, die auf Gottvertrauen und der Nachfolge liegen.

So wurde auch in den Pausen-Gesprächen deutlich, dass statt kirchenpolitischer Streitigkeiten die Teilnehmenden vielmehr das einende Festhalten am Christus-Bekenntnis bewegt; so würden kraftvolle und kreative Aufbrüche in der Kirche möglich. Beispielhaft wurde dies in der Auswertungsrunde formuliert: "Es hat sich gelohnt, nach Kassel zum ,Bildungsblüten'-Treffen zu kommen. Mein Herzensanliegen der lutherischen Bildung (für jung und alt) wurde auch von den anderen Teilnehmern geteilt und ich wurde belohnt mit tollen Begegnungen und Ideen lieber Menschen. Es ist so viel möglich!"

Das Ergebnis der Tagung war ein überwältigendes Votum für einen gemeinsamen Aufbruch in vielen Bereichen. Daher wurde sofort am Ende der Veranstaltung ein Folge-Format verabredet; über eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! kann zudem der Newsletter angefordert werden, der über zusätzliche Netzwerk-Aktivitäten informiert. Weitere Informationen sind auf der Website zu finden: www.bildungsbooster.de

www.bildungsbooster.de
Müller verwies abschließend auf den besonderen Beitrag der Bildung in der christlichen Tradition. Schon als Studienleiter des Religionspädagogischen Seminars der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (https://www.rpi-ekkw-ekhn.de/home) habe er erfahren, wie wirksam eine solche unterstützende Einrichtung für die Bildungsarbeit in der und durch die Kirche sein kann. Neben Diakonie, Mission und Verkündigung stehe auch in der Bildung ganz besonders der Aspekt der Nachhaltigkeit im Fokus. Bei der langfristigen und kontinuierlichen Begleitung von Menschen gebe es insbesondere für die Prägung von Menschen eine große Chance, weil es dann im Kern um die Persönlichkeitsentwicklung gehe. Auch unter dieser Maßgabe lese sich der Missionsbefehl Christi verheißungsvoll: "Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: (.) lehret sie halten alles, was ich euch [an]befohlen habe!" (Die Bibel: Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 28, Verse 19 und 20) Müller: "Genau deshalb stelle ich mich so gerne in den Dienst einer segensreichen christlichen Herzensbildung!"

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Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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