Seminar zu: Sünde - wie bitte? | 10.03.2021

"Sünde -Wie bitte?"
SELK: Christoph Barnbrock als Referent beim Löhe-Seminar

Korbach/Oberursel, 10.3.2021 - selk - Onlinegestützt trafen sich am vergangenen Samstag Kirchglieder aus verschiedenen Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), um in einem Seminar des in der SELK beheimateten Wilhelm-Löhe-Seminars des Diakonissenwerks Korbach über das Thema "Sünde - wie bitte?" nachzudenken und sich auszutauschen. Als Referent wirkte Prof. Dr. Christoph Barnbrock von der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel der SELK mit.

Barnbrock zeigte auf, wie heute von Sünde geredet wird: entweder gar nicht oder verharmlosend, als Reizthema oder ablehnend. Im biblischen Sinne sei "Sünde" als Verbrechen, mit jemandem zu brechen, zu verstehen und hinterlasse zerstörte Gemeinschaft. Aus einem verkehrten Leben folge verkehrtes Handeln, das den Menschen unter den Folgen gebeugt sein lasse. Es werde das Ziel menschlichen Lebens verfehlt, nämlich die Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen.

Es folgten Betrachtungen mit Beispielen. Was geht ohne das Reden von der Sünde oder das Verstehen des Sündenbegriffs verloren? Sehr interessante Überlegungen hatten die Überschrift "Von der Schuld- zur Schamorientierung": Menschen litten weniger darunter, dass sie etwas verkehrt gemacht hätten, sondern vor allem daran, wie sie vor anderen dastünden, so der Referent. Man habe ungeschriebene Gesetzte verinnerlicht, wie: "Du musst perfekt sein, Leistung erbringen, gesund und erfolgreich sein." Wer hier an seine Grenzen komme, schäme sich. Das müsse nicht notwendigerweise schuldhaft sein. Scheitern könne man auch an zu hohen Anforderungen. Einzelne (menschliche) Fehler hätten heutzutage bisweilen gravierendere Auswirkungen. Außerdem gehe man häufig unbarmherzig mit Fehlverhalten um. Das Internet vergesse nichts. Ein weiterer Druck sei der Anspruch "Mach etwas Besonderes aus deinem Leben! Leben als Gestaltungsaufgabe." Das "Normale" gelte als defizitär, wie etwa "Hausfrau und Mutter".

Der Referent zeigte den Weg zu einer evangelischen Kultur guter Gesellschaft auf. Gott baue sein Reich offensichtlich nicht durch vermeintlich sündlose "Heilige", sondern durch Sünder, durch Menschen, die scheitern und Scham erleben würden. Hierfür gebe es viele Beispiele: Mose, David, Petrus, Martin Luther.

Das Ziel sei es nicht zuletzt, wieder Mensch sein zu dürfen und eine Abkehr von einer falschen Schuldkultur zu vollziehen. Wo von Scheitern geredet werde, müsse auch von Gelingen geredet werden, so Barnbrock.

Die "Sündenvergebung" sei zwar ein Alleinstellungsmerkmal der Kirche, es könne aber nicht "einziges" Merkmal der Kirche sein. Es brauche auch Platz für Freude über Gelungenes, Dank und Gotteslob. Negative Emotionen wirkten ohnehin nachhaltiger. Umso wichtiger sei es, auch dem Positiven Raum zu geben. Dabei lohne es sich auch, in den Blick zu nehmen, dass Scheitern nicht immer nur schlimm sei. Man lerne (gerade) auch aus seinen Fehlern. Die Risse im Leben seien zwar schmerzhaft, so Barnbrock, um in Anschluss an den Theologen Christian Möller auszuführen, dass sie auch Öffnungen sein könnten, durch die der Heilige Geist in menschliches Leben einströmen könne. Zum Schluss sprach der Referent noch von den Segenshandlungen und der Ewigkeitsfreude.

Die Aussprache im Anschluss zeigte bestätigend, wie lebensnah und auch befreiend dieses Thema ist.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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