Dies Academicus der LThH in Oberursel (2) | 19.11.2022

Wie gelingt Einheit bei bestehenden innerkirchlichen Differenzen?
Dies Academicus an SELK-Hochschule beendet


Oberursel, 19.11.2022 - selk - Am heutigen Samstag wurde der Dies Academicus der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel (LThH) der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) z zum Thema "Taufe - Kirche - Anerkennung" fortgesetzt und abgeschlossen.

Nachdem am Vortrag das Thema "Taufe und Kirchengemeinschaft" im Fokus gestanden hatte, rückte am zweiten Tag die Frage ins Zentrum, wie Einheit bei bestehenden innerkirchlichen Differenzen zu denken und zu gestalten ist.

Nach einer Andacht, die der Rektor der LThH, Prof. Dr. Achim Behrens, hielt, eröffnete Dr. Dr. Anargyros Anapliotis (München) den Vortragsreigen mit Überlegungen zur "Unterscheidung von Akribia und Oikonomia als Ermöglichung einer Differenzhermeneutik der Anerkennung?". In Verbindung mit der Frage der Stellung der östlich-orthodoxen Kirchen zur Magdeburger Erklärung zur Tauferkennung, arbeitete der Referent heraus, dass es in diesem kirchlichen Bereich ganz unterschiedliche Positionierungen gebe, die von einer Nichtanerkennung von westkirchlich gespendeten Taufen bis zu ihrer Anerkennung (und das nach dem Buchstaben des Kirchenrechts) reichten.

In einem zweiten Vortrag mit dem Titel ",Versöhnte Verschiedenheit' in der SELK? - Die Einigungssätze von 1948" arbeitete Prof. Dr. Gilberto da Silva, Professor für Historische Theologie an der LThH, heraus, wie konfliktiv sich die die Evangelisch-Lutherische (altlutherische) Kirche und die Evangelisch-Lutherische Freikirche in Einzelfragen im Vorfeld der theologischen Verständigung in der Mitte des 20. Jahrhunderts gegenübergestanden und welche Bedeutung die Einigungssätze in diesem Prozess gehabt hätten. Dabei wurde erkennbar, dass zwischen einer historischen und der dogmatisch-inhaltlichen Leistung dieses Dokuments zu unterscheiden sei.

Im letzten Hauptvortrag zum Thema "50 Jahre Einheit - 50 Jahre Streit? Ausblicke nach einem runden Geburtstag" wandte sich Prof. Dr. Christian Neddens, Lehrstuhlinhaber für Systematische Theologie an der LThH, konkret der Frage zu, welche Möglichkeiten es gebe, mit Differenzen innerkirchlich umzugehen. In Aufnahme von neueren philosophischen und soziologischen Ansätzen warb der Referent dafür, gegenüber einer Nivellierung von Unterschieden oder einem Ausmerzen von Unterschieden das Einander-Zumuten unterschiedlicher Positionen positiv wertzuschätzen, da nur so Lernprozesse möglich seien. Das gegenseitige Anerkennen könne dabei nur im Sinne eines Vertrauensvorschusses gelingen, da alles gegenseitiges Erkennen immer auch bruchstückhaft bleibe.

Nicht zuletzt angeregt durch Kurzberichte von zwei Tagungsbeobachtern ergaben sich auch am zweiten Tag der Veranstaltung intensive Diskussionen. Positiv wurde hervorgehoben, dass Referentinnen und Referenten verschiedener Konfessionen anwesend waren und so theologische Positionen auch personal anschaulich und greifbar wurden. Erkennbar wurde auch, dass alle Kirchen mit ähnlichen Herausforderungen umzugehen haben und dafür zum Teil ähnliche, zum Teil aber auch unterschiedliche Lösungsmodelle wählen. Zeitzeugen der Vereinigung der verschiedenen lutherischen Bekenntniskirchen zur heutigen SELK warben eindringlich darum, das hohe Gut der kirchlichen Einheit auch in der Gegenwart und Zukunft zu wahren. Mit Blick auf die Weiterarbeit wurde angeregt, sowohl die innerbiblische als auch die internationale Perspektive bei allen Überlegungen nicht aus dem Blick zu verlieren. Von einem Teilnehmer wurde dabei auch kritisch angemerkt, dass gegenüber einer allzu großen ökumenischen Öffnung eine stärkere konfessionelle Positionierung wünschenswert sei.

Auf der Tagung waren die beiden Verlage, mit denen die LThH derzeit am intensivsten zusammenarbeitet, die Edition Ruprecht aus Göttingen und die Evangelische Verlagsanstalt aus Leipzig, jeweils mit einem Büchertisch vertreten. In einer Tagungspause wurde aus dem Verlagsprogramm von Edition Ruprecht die Gründungsgeschichte der SELK von Prof. i.R. Dr. Werner Klän D.Litt. im Gespräch zwischen Tobias Schütze und dem Verfasser noch einmal vorgestellt.

Insgesamt zogen sowohl die Organisatoren als auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein positives Fazit und gaben zu erkennen, dass die Tagung bereichernd gewesen sei. Die Veröffentlichung der Beiträge in Buchform wurde in Aussicht gestellt.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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