Sasse-Preis-Verleihung in Herford | 28.10.2021

SELK: Sasse-Preis-Verleihung in Herford
Konrad Küster und Susanne Wegmann ausgezeichnet

Herford, 28.10.2021 - selk - In der landeskirchlichen St. Johanniskirche in Herford fand kürzlich die diesjährige Verleihung des Hermann-Sasse-Preises statt. Mit dem von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gestifteten Preis wurden der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Konrad Küster (Freiburg i.Br.) und die Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Susanne Wegmann (Köln) ausgezeichnet. Die Preisträger teilen sich den Preis nicht, sondern er wurde 2021 zweimal vergeben. Konrad Küster wurde geehrt für sein 2017 bereits in zweiter Auflage erschienenes Werk "Musik im Namen Luthers. Kulturtraditionen seit der Reformation". Susanne Wegmann erhielt den Preis für ihre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eingereichte Habilitationsschrift "Der sichtbare Glaube. Das Bild in den lutherischen Kirchen des 16. Jahrhunderts".

Der Vorsitzende der Jury des Hermann-Sasse-Preises, SELK-Prof. i.R. Dr. Jorg-Christian Salzmann (Wieren, früher Oberursel), eröffnete die Veranstaltung mit einer Schweigeminute zum ehrenden Angedenken an den früheren Bischof der SELK, Dr. Jobst Schöne D.D., der am selben Tag in Berlin zu Grabe getragen wurde.

Die Laudatio auf den Preisträger Konrad Küster stammt von Prof. i.R. Dr. Ernst Koch (Leipzig), selbst Preisträger des Sasse-Preises, und wurde von Prof. Salzmann verlesen. Koch resümierte in seiner Laudatio, Küster habe durch seine Arbeit gezeigt, dass die These, Luther habe die singende Gemeinde "erfunden", nicht zu halten sei. Vielmehr seien (im Reformationsjahrhundert und danach) weiterhin die Chöre und die Schulen die Träger der geistlichen Musik gewesen. Beleg dafür sei, dass die Kantoren zugleich Lehrer an den Lateinschulen gewesen seien. Der Gemeindegesang als reformatorische Erneuerung zeige sich vielmehr in der (durch Luther) neu formierten Abendmahlsliturgie.

Susanne Wegmann wurde durch eine Laudatio von Prof. Dr. Christian Neddens, Lehrstuhlinhaber für Systematische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule der SELK in Oberursel, geehrt. Neddens hob die Leistung der Preisträgerin hervor, die Bedeutung der Bilder im lutherischen Kirchenraum neu und umfassend in den Blick genommen zu haben. Sie seien keine schmückende Zutat, sondern gehörten in die Gesamtkonzeption des Kirchraums und bezögen die irdische Gemeinde in die ecclesia triumphans, die himmlische Kirche, ein.

Die Preise wurden durch den stellvertretenden Bischof der SELK, Propst Dr. Daniel Schmidt (Groß Oesingen), an die beiden Preisträger überreicht. Künstlerisch gerahmt und gestaltet wurde die Preisverleihung einerseits durch den Ort, die St. Johanniskirche, die durch ihr Alter, ihre Architektur und ihre Ausstattung in die Zeit der Themen der ausgezeichneten Arbeiten weist, und andererseits durch ein Vokalensemble unter Leitung von SELK-Kantorin Antje Ney (Hanstedt/Nordheide), das geistliche Musik des 16. und 17. Jahrhunderts passend zu den behandelten Themen in vorzüglicher Weise von verschiedenen Aufführungsorten im Kirchenraum aus zu Gehör brachte.

In ihrem Dankreferat sprach Susanne Wegmann über "Das Altarretabel der Herforder Johanniskirche und die Tradition der lutherischen Altarretabel", die in besonderer und einzigartiger Weise auf die Realpräsenz Christi im heiligen Abendmahl hindeuteten. Zur Illustration zeigte sie Bilder etlicher Beispiele aus dem mitteldeutschen Raum und wies darauf hin, wie die Künstler die Gottesdienst feiernde Gemeinde wie die Betrachter und die auf den Retabeln gemalte Gemeinde miteinander verbinden und in die Gegenwart des Sakramentsgeschehens holen.

Konrad Küster griff in seiner Dankesrede unter dem Titel "Luther als Komponist" ein musiktheoretisches Thema auf und erläuterte leicht verständlich an fünf Lutherchorälen, wie Luther das Tonsilben-Modell des Guido von Arezzo (um 1030) kannte, beherrschte, anwendete und vielleicht - so seine These - aus Unkenntnis aber auch falsch anwendete.

An die Preisverleihung schloss sich ein Empfang im nahegelegenen Frühherrenhaus an, der von den SELK-Gemeinden in Lage und Talle ausgerichtet wurde.

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Ein Bericht von selk_news /
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