Theologie


„Theologie ist soviel wie Gottes Wort, Theologe ist, wer Gottes Wort redet.“
So einfach konnte Dr. Martin Luther definieren, was Theologie und was ein Theologe ist. (WA 41; 11,10)

Theologie (griechisch θεολογία theología, von θεός theós ‚Gott‘ und - griechisch λόγος ‚Wort‘ ‚Rede‘) bedeutet soviel wie „die Lehre von Gott“. Luthers schlichte Definition weist jedoch darauf hin, dass es ihm darauf ankam, Theologie nicht vor allem als Reden von oder über Gott, sondern vom Reden Gottes, vom Wort Gottes an die Menschen her zu begreifen.

Anders ausgedrückt: Theologie ist nach lutherischem Verständnis Auslegung des Wortes Gottes.
Und zwar in allen ihren Hauptfächern oder –disziplinen: Altes Testament, Neues Testament, Systematik (Dogmatik), Kirchengeschichte und Praktische Theologie.

In einem weiter gefassten Sinne ist aber in der Kirche eigentlich alles „Theologie“: Nicht nur, wenn ein Pfarrer predigt oder Bibelstunde hält oder ein Professor lehrt, sondern z.B. auch, wenn die Kirche Gottesdienst feiert, die Christen beten und singen, ist das „Theologie“.
Die Kirche betet so, wie sie glaubt und glaubt so, wie sie betet (lex orandi - lex credendi).
Gottesdienstliche Bücher (Agenden) und Gesangbücher sind daher ebenso „Theologie“ wie theologische Lehrbücher.
Ob jemand Kindergottesdienst hält, Krankenbesuche mache, Sterbende tröstet, ob Kirchenvorstände über Gemeindeaufbau beraten, ein Jugendkreis sich mit Themen aus Glaube oder Gesellschaft beschäftigt oder eine Rendantin über verantwortungsvollen Umgang mit Kirchenbeiträgen nachdenkt: Es gibt in der Kirche keine absolut „theologiefreien Zonen“.

Eine andere, sehr unterschiedlich beantwortete Frage ist es, ob die Theologie im engeren Sinne eine Wissenschaft ist. Man wird wohl sagen müssen: Im eigentlichen, schon gar im naturwissenschaftlich definierten Sinne ist sie es nicht. Gleichwohl bedienen sich alle theologische Disziplinen der Wissenschaften als „theologische Hilfswissenschaften“. Das reicht von Archäologie über (Alt-)Philologie bis zu den Humanwissenschaften von Medizin bis Psychologie.
Obwohl es keine anerkannte Definition für „Wissenschaftlichkeit“ gibt, gibt es- wie für alle Wissenschaften- auch für die Theologie bestimmte erkenntnistheoretische Grundsätze, an die man sich hält: So muss auch Theologie rechenschaftsfähig sein. Das betrifft z.B. die Transparenz theologischen Arbeitens, seine Überprüfbarkeit, seine innersystematische Stimmigkeit usw..

Fragt man hingegen Luther, was einen Theologen aus seiner Sicht ausmacht, lautete seine Antwort sicherlich nicht: Den exakten Wissenschaftler. Vielmehr schrieb Luther: „Gebet, Meditation (der Hl. Schrift) und Anfechtung machen den Theologen.“ (So Luther in der Vorrede zu Band I der Wittenberger Ausgabe seiner deutschen Schriften 1539)

In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche kommt der Theologie ein außerordentlich hoher Stellenwert zu. Das zeigt sich z.B. darin, dass die SELK eine eigene, staatlich anerkannte kirchliche Hochschule, die → Lutherische Theologische Hochschule in Oberursel betreibt, an der ihre künftigen Pfarrer und Pastoralreferentinnen Theologie studieren und ihre Examen ablegen.

Die SELK legt großen Wert darauf, als lutherische Kirche auch wirklich schrift- und bekenntnisgebundene lutherische Theologen in eigener Verantwortung und Regie auszubilden und dies auch unabhängig von sich wandelnden theologischen Meinungen und Ansichten in anderen Kirchen und anderen theol. Fakultäten.

Die Theologische Kommission erarbeitet laufend im Auftrag der Kirchenleitung Voten, Gutachten und Stellungnahmen, die Sie in diesem Bereich unseres Portals aufgeführt finden und abrufen können. Und nicht zuletzt nimmt sich auch die Kirchenleitung der SELK in nahezu jeder ihrer monatlichen Sitzungen etwa eine Stunde Zeit für „zweckfreies“ theologisches Arbeiten, Nachdenken und Gespräch.


Publikationen der Theologischen Kommission der SELK (in Auswahl)

Biblische Hermeneutik
Das Dokument „Biblische Hermeneutik“ wurde vom 11. Allgemeinen Pfarrkonvent der SELK (2009) und von der 12. Kirchensynode der SELK (2011) mit breiter Mehrheit angenommen.
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Hermeneutik
Zur biblischen Hermeneutik hat die Theologische Kommission 1985 ein Papier erarbeitet. Es geht dabei um die Art und Weise wie die Heilige Schrift erforscht und ausgelegt wird.
PDF-Datei | 30 kB

Amt, Ämter und Dienste in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche
Erarbeitet von der Theologischen Kommission der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, verabschiedet durch die 11. Kirchensynode Radevormwald 2012.
PDF-Datei | 125 kB

Das Amt der Kirche
Eine Wegweisung, herausgegeben von der Theologischen Kommission der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, 1999 (2. Auflage)
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Lutherische Kirche und Judentum
Die Handreichung „Lutherische Kirche und Judentum“ der Theologischen Kommission (TK) der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) verdankt sich einer Beschlussfassung der 11. Kirchensynode (2007) der SELK. Das 2015 vorgelegte Ergebnis einer Langzeitstudie der TK wird dem 13. Allgemeinen Pfarrkonvent der SELK (2017) vorgelegt.
PDF-Datei | 855 kB

Aspekte der Zugehörigkeit zur Freimaurerei und zur christlichen Gemeinde
Eine Stellungnahme der Theologischen Kommission der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche zur Frage der Mitgliedschaft von Kirchgliedern in Freimaurer-Logen aus dem Jahr 2002.
PDF-Datei | 20 kB

Lutherisches Ehe- und Trauverständnis
Herausgegeben als Heft "Lutherische Orientierung 11" der Theologischen Kommission der SELK, 2016.
20 Seiten | 1,25 €
PDF-Datei | 1,6 MB

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