Angedacht!


1. Sonntag nach Epiphanias



Liebe Leserinnen und Leser,

aGruenhagen 160pxm 1. Sonntag nach Epiphanias steht die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer im Mittelpunkt. Martin Luther dichtete zu dieser biblischen Geschichte im Jahr 1541 ein Lied, das es lohnt, (wieder) einmal wahrgenommen und bedacht zu werden. Da es nicht ganz leicht zu singen ist, ist es vermutlich auch nicht besonders bekannt. Die vier ersten Strophen, um die es nun geht, lauten so:

1.Christ unser Herr zum Jordan kam
nach seines Vaters Willen,
von Sankt Johann die Taufe nahm,
sein Werk und Amt zu erfüllen.
Da wollt‘ er stiften uns ein Bad, zu waschen uns von Sünden,
ersäufen auch den bittern Tod durch sein selbst Blut und Wunden;
es galt ein neues Leben.

2. So hört und merket alle wohl,
was Gott heißt selbst die Taufe
und was ein Christe glauben soll, zu meiden Ketzerhaufen.
Gott spricht und will, dass Wasser sei, doch nicht allein schlicht Wasser,
sein heiligs‘ Wort ist auch dabei mit reichem Geist ohn‘ Maßen:
der ist allhier der Täufer.

3. Solchs hat er uns beweiset klar
mit Bildern und mit Worten.
des Vaters Stimm‘ man offenbar
daselbst am Jordan hörte;
er sprach: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich hab Gefallen;
den will ich euch befohlen han, dass ihr ihn höret alle
und folget seinem Lehren.

4. Auch Gottes Sohn hier selber steht
in seiner zarten Menschheit,
der Heilig Geist herniederfährt
in Taubenbild verkleidet,
dass wir nicht sollen zweifeln dran: wenn wir getaufet werden,
all drei Person getaufet han‘ damit bei uns auf Erden
zu wohnen sich begeben.

Einen Preis für besonders gefällige Poesie hat Luther dafür wahrscheinlich nicht verdient, aber ganz sicher einen für gelungene Theologie. Durch sein Lied beantwortet er anhand der Geschichte von der Taufe Jesu (nachzulesen im Matthäusevangelium im 3. Kapitel) Fragen zum Thema Taufe überhaupt. Aus der ersten Strophe können wir gleich mehrere Aussagen mitnehmen: Die Taufe haben sich nicht Menschen ausgedacht, sondern Jesus hat sie eingesetzt/gestiftet. Uns sollen dadurch die Sünden abgewaschen werden, unser Tod ersäuft buchstäblich im Wasser der Taufe und ein neues Leben wird uns geschenkt. Da haben wir also kurz und knapp wozu die Taufe eigentlich gut ist und wer sie „erfunden“ hat.

In der zweiten und dritten Strophe kann man lernen, wie eine Taufe geschieht, was dazu nötig ist. Das ist auch nützlich zu wissen, weil es sehr verschiedene, auch falsche Meinungen dazu gibt. Das war zu Luthers Zeit schon so und ist bis heute der Fall. Dagegen macht Luther deutlich: wie wir an der Taufe Jesu sehen, gehören zwei Dinge dazu, damit es eine Taufe ist. Erstens Wasser. Jesus steigt in den Jordan und wird von Johannes untergetaucht. Zweitens das Wort Gottes, das in der Geschichte vom Himmel erschallt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Matthäus 3,17). Gleichzeitig kommt Gott, der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herab. Daran sehen wir: in der Taufe wirkt der Heilige Geist durch das Wasser und das Wort. Wenn in unserer Kirche ein Mensch getauft wird, er sei klein oder groß, heißt es immer zu Beginn der Handlung: „Die Taufe ist allein Gottes Gabe und Werk.“ Luther dichtet: „Der ist allhier der Täufer.“ Die Taufe ist nicht eine Entscheidung, eine Leistung, ein Akt des Glaubensgehorsams, ein äußeres Zeichen. Mit Luther lernen wir an der Taufe Jesu, was bei unserer Taufe geschehen ist. Der Heilige Geist ist gekommen und hat sich eines Menschen bedient wie Johannes des Täufers in der Geschichte. Durch das Wasser und das Wort Gottes, das aus der Bibel vorgelesen wurde, sind wir getauft worden, alle Sünden wurden uns vergeben, unser Tod ist im Taufwasser ertrunken und wir haben ein neues Leben bekommen. Vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt hat Gott auch mit unserer Taufe deutlich gemacht: Dies ist mein geliebtes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe.

Mit der vierten Strophe weist uns Luther darauf hin, dass die Geschichte von der Taufe Jesu auch ein Beleg für die Dreieinigkeit ist: ein Gott in drei Personen, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. Bei der Taufe Jesu sind alle drei gleichzeitig da. Es ist also nicht so, dass Gott drei verschiedene Formen annimmt, sondern er ist ein Gott in drei Personen. Und dieser dreieinige Gott wirkt in unserer Taufe. Deshalb wird eben „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft.“ Nochmal Luther: „Dass wir nicht sollen zweifeln dran, wenn wir getaufet werden, all drei Person getaufet han.“

Es ist doch erstaunlich, wie es dem Reformator gelingt, in einem Lied so viel zu fassen, was von der Taufe zu sagen ist. Nehmen Sie diesen Sonntag doch auch mal zum Anlass, darüber nachzudenken.

Dr. Andrea Grünhagen

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