Angedacht!


So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.“
Apostelgeschichte 12,5



Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

um Petrus war es sehr dunkel geworden. Nachdem der König Herodes schon den Apostel Jakobus „mit dem Schwert“ (Apostelgeschichte 12,2) hatte hinrichten lassen, war Petrus als nächster an der Reihe. Im Grunde stand sein Todesurteil schon fest in jener Nacht, als er, mit Ketten gefesselt, zwischen zwei Wächtern im Kerker schlief. Doch auf einmal kommt Licht in die Geschichte. Der „Engel des Herrn“ betritt das verschlossene Gefängnis „und Licht leuchtete auf in dem Raum.“ Der Engel weckt Petrus und sorgt dafür, dass er seinen Gürtel umbindet, Schuhe anzieht und auch seinen Mantel nicht vergisst. Petrus tut, was der Bote Gottes sagt, allerdings glaubt er, dass er dies alles nur träumt. Denn mit traumwandlerischer Sicherheit wird er an Wachsoldaten vorbei und durch verschlossene Gefängnistore hindurch in die Freiheit geführt, bis er sich allein in einer Gasse wiederfindet und er erst einmal zu sich kommen muss. Nachdem er wieder klar denken kann, sucht er die Gemeinde auf, deren Gebet er seine Rettung verdankt.

Das konkrete Gebet der Mitchristen für Petrus wurde von Gott mit einem konkreten Wunder beantwortet. Ihr Vertrauen hat sich gelohnt, das Erbetene ist eingetreten. „Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod …“, hat Paul Gerhardt gedichtet. In unserer Geschichte hier wird das ja auch sehr schön deutlich.

Vertrauender Glaube kann sich an solchen Geschichten aber auch ganz schön abarbeiten, nämlich dann, wenn Gebet und Hilfe nicht so augenscheinlich aufeinander folgen wie im Fall des Petrus; oder wenn der positive Ausgang einer schwierigen Situation zum Prüfstein für den Glauben der Betenden genommen wird nach der einfachen Gleichung: Je größer der Glaube, desto größer und schneller die Hilfe.

Das ist nicht biblisch. Man sollte vielmehr auch darauf achten, was bei der Erzählung von der Rettung des Petrus auch gesagt und was nicht gesagt wird. Zunächst einmal: Den Apostel Jakobus hat Gott nicht gerettet, obwohl die Jerusalemer Gemeinde für ihn doch wahrscheinlich auch gebetet hat. Und Petrus ist zwar hier geholfen worden, aber das Martyrium hat er später doch erlitten. Während der Dritte im Bunde, nämlich der Apostel Johannes, erst gar nicht in Gefahr gerät.

So unterschiedlich ist es auch in unserem Leben. Und trotzdem bleibt der Glaube eine verwegene Zuversicht, die mit Gottes Hilfe, seinem wunderbaren Eingreifen und dem Dienst der heiligen Engel rechnet. Wir müssen sehr oft gegen den Augenschein glauben. Das Gebet soll gerade in der Ausweglosigkeit nicht aufhören. Das Licht in der Dunkelheit gibt es wirklich. Aus Nachtgeschichten können Hoffnungsgeschichten werden.

Dr. Andrea Grünhagen

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