Angedacht!

„Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen."
1. Korinther 12,4-6


Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

Vielfalt und Gleichheit sind Worte, die in unserer Zeit eine wichtige Rolle spielen. Sie sind sogar so bedeutsam, dass man tunlichst nicht öffentlich äußern sollte, man sei gegen Vielfalt und Gleichheit. Dabei schließen sich rein logisch Vielfalt und Gleichheit manchmal sogar aus.

Das Gegenteil von Vielfalt ist Uniformität. Dabei erspart man sich, auf die Verschiedenheit von Menschen Rücksicht zu nehmen. Das ist sehr bequem. Es scheint ja alles viel einfacher, wenn alle so denken würden wie ich, die gleiche Meinung, die gleichen Vorlieben, die gleichen Prägungen und die gleichen Gaben hätten wie ich. In Wirklichkeit wäre es ein Alptraum. Verschiedenheit bereichert nämlich. Das wussten die Menschen schon, als sie noch in Höhlen wohnten. Es ist ganz und gar sinnvoll, den Feinmotoriker Faustkeile herstellen und den Grobmotoriker das Mammut jagen zu lassen.
Gleichzeitig bedeutet diese Verschiedenheit aber auch, dass nicht jeder alles kann und alles macht. Es entspricht der Wertschätzung von Verschiedenartigkeit, dass das in Ordnung ist. Nicht jeder muss alles können oder wollen. Individualität bedeutet auch immer Begrenzung.
Das wiederum widerspricht vordergründig dem Grundsatz der Gleichheit. Es können nicht alle das Gleiche und es brauchen nicht alle das Gleiche und es müssen nicht alle das Gleiche wollen. Es wäre vielmehr geradezu ungerecht, wenn alle immer nur das Gleiche bekämen.

Gott, der Heilige Geist hat offenbar kein Problem mit Verschiedenheit. Damit die Kirche leben kann, braucht es unterschiedliche Begabungen, unterschiedliche Aufgaben und unterschiedliche Kräfte. In ihrem Wert sind die verschiedenen Gaben gleich, sie sind bloß nicht gleichförmig. Soweit so gut. Das Problem entsteht wohl eher da, wo nicht der Heilige Geist die Aufgaben und Ämter durch geistliche Gaben und Berufungen verteilt, sondern die Menschen. Dann wird die Kirche zum Verein, wo es um Posten und Pöstchen und letztendlich um die Aufrechterhaltung des Vereinslebens mit allen Mittel geht.
Dem Heiligen Geist geht es nur um eine Sache, nämlich um Jesus. Das sagt Paulus nur einen Vers davor. Alle Gaben, alle Begabungen haben nur ein Ziel: zu verkündigen, dass Jesus der Herr ist. Wo das geschieht, mit den Mitteln, die Gott dazu bestimmt hat, da ist Kirche, da wirkt der Heilige Geist.

Haben Sie den Terminkalender ihrer Gemeinde schon einmal nach diesen Kriterien betrachtet?

Dr. Andrea Grünhagen

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