Liebe zum Gottesdienst


Über die Liturgische Konferenz

Pfarrer Peter Matthias Kiehl, Pfarrer im Pfarrbezirk Darmstadt/Reichelsheim der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), arbeitet seit 25 Jahren in der evangelischen „Liturgischen Konferenz“ mit. Für selk.de beantworte er Fragen über diese Einrichtung und seine Mitarbeit.

Liturgische Konferenz

SELK.de: Pfarrer Kiehl, Sie arbeiten nebenamtlich für die SELK in der „Liturgischen Konferenz“ (LK) mit. Was ist das für ein Gremium? Wie kommen Sie dazu, dort tätig zu sein? Und wie lange engagieren Sie sich an dieser Stelle schon?

Kiehl: Die Liturgische Konferenz bearbeitet grundlegende Fragen des evangelischen Gottesdienstes in Arbeitsausschüssen und liturgischen Fachtagungen. Sie veröffentlicht ihre Ergebnisse mit dem Ziel, das gottesdienstliche Leben in evangelischen Kirchen im deutschsprachigen Raum zu fördern. In ihr sind nicht nur die Landeskirchen im Bereich der EKD vertreten, sondern auch Vertreter aus Österreich und der Schweiz. Hinzu kommen Liturgiker aus weiteren Kirchen und Vereinigungen, etwa aus der Evangelischen Michaelsbruderschaft, der Hochkirchlichen Vereinigung, der Altkatholischen Kirche, der römisch-katholische Kirche (im Gaststatus) – und eben auch der Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche; schließlich einzelne liturgische und hymnologische Experten.

Mittlerweile bin ich seit 25 Jahren Mitglied der LK. In mehreren Arbeitsausschüssen konnte ich mich einbringen: etwa „Osternacht“, „Perikopenreform“, „Liturgische Dramaturgie“, „Tagzeitengebet“.

SELK.de: Was ist für Sie der Grund, dass Sie so lange schon - offensichtlich auch gerne - in diesem Kreis aktiv sind?

Kiehl: In der LK wird man Mitglied durch persönliche Berufung. Das ging bei mir damals so, dass ich nach dem Tod von Ralph Bente als dessen Nachfolger zur Leitung der Liturgischen Kommission der SELK bestimmt wurde. Daraufhin hat die Kirchenleitung mich als Vertreter der SELK zur Berufung durch den Vorstand der LK vorgeschlagen.

Der inhaltliche Grund ist meine Liebe zum Gottesdienst und die Fragen um dessen theologischer und geistlicher Durchdringung sowie einer zeitgemäße Feiergestalt. Dabei versuche ich den theologischen Ansatz und die Tradition der SELK im Dialog mit anderen lutherischen, unierten, katholischen Kollegen ins Gespräch zu bringen. Zugleich ist mir immer wichtig gewesen, aus der Ökumene zu lernen und diesen Dialog in die eigene Kirche einzubringen.

Schließlich macht mir dir akademische Arbeit Freude, und ich hatte dabei das Privileg, in der LK mit bedeutenden Persönlichkeiten der evangelischen Theologie zusammenarbeiten zu dürfen. Besonders nenne ich Prof. Dr. Meyer-Blanck, Prof. Dr. Klaus Raschzok und Prof. Dr. Helmut Schwier.

SELK.de: In den vielen Jahren, in denen Sie nun schon in der LK mitarbeiten, hat sich sicherlich auch einiges geändert. Was waren für Sie die deutlichsten Veränderungen?

Kiehl: Die deutlichste Veränderung war im Jahr 2002 die Neuausrichtung der Konferenz zu einer „evangelischen“ Institution. Das wirkte sich darin aus, dass die LK organisatorisch näher an die EKD heranrückte, und in der Umbenennung: der bisherige Name „Lutherische Liturgische Konferenz Deutschlands“ (LLKD) wurde abgelegt. Zugleich wurde die Aufgabe der LK im Gegenüber zu den Liturgischen Ausschüssen der Kirchen im Sinn einer Arbeitsteilung neu beschrieben: die LK kümmert sich um Grundsatzfragen, akademische Diskussion und Publikationen. Die liturgischen Ausschüsse der (landes-) Kirchen erstellen praktische Vorlagen, Agenden und Gesangbücher.

SELK.de: Die LK hat sich bei ihrer jüngsten Plenartagung auch mit Gottesdiensten während der Corona-Pandemie befasst. Was ist für Sie in diesem Zusammenhang besonders erkennbar, vielleicht sogar wichtig geworden?

Kiehl: Im letzten Jahr wurden zahllose Gottesdienste und gottesdienstliche Formate über das Internet verbreitet. Und es sieht danach aus, dass dies auch „nach Corona“ eine wesentliche Rolle spielen wird. Vieles wurde auf diesem Gebiet geleistet und konnte Segen entfalten. Andererseits wurde klar, dass all die digital übermittelten Gottesdienste die Feier in und mit der leiblich präsenten Gemeinde nicht ersetzen können. Die theologische Reflexion darüber fängt gerade erst an.

In den Diskussionsbeiträgen bei der Plenartagung wurde etwa erkennbar, dass das Verständnis des Gottesdienstes im deutschen Protestantismus sich an einigen Punkten von dem der SELK unterscheidet. So scheint die Leiblichkeit – auch wenn dies in theologischen Stellungsnahmen betont wird – in der Praxis plötzlich kaum eine Rolle zu spielen, wenn Gemeinden ohne viel Federlesens auf Zusammenkünfte oder auch auf das heilige Abendmahl verzichten. Gerade an dieser Stelle wird deutlich, dass der Gottesdienst im deutschen Protestantismus weithin als „Veranstaltung“ wahrgenommen wird, wie Frauenkreis oder Jugendtreff. Den kann man ausfallen lassen. Der sonntägliche Gottesdienst und das Altarsakrament sind nach lutherischer Auffassung aber eine eigene Kategorie mit besonderer, auch leiblicher Bedeutung.

SELK.de: Wenn Sie auf die liturgische Praxis in der SELK schauen: Wo sehen Sie Handlungsbedarf? An welchen Stellen sollten Ihrer Meinung nach Akzente gesetzt werden?

Kiehl: Lutherische Liturgik im ökumenischen Horizont zu betreiben – das ist mein Ansatz und mein Anliegen. Liturgie hat immer auch einen ökumenischen Anspruch. Die SELK sollte sich vor allem mehr mit Kirchen der eigenen Konfessionsfamilie vernetzen, da ist die LCMS die erste Adresse. Und daneben sollte sie natürlich mit der deutschsprachigen evangelischen Liturgik in Austausch und Befruchtung bleiben – wie eben auf dem Forum der LK. Schließlich sollte sie auch den Blick auf die geschichtliche Herkunft unserer Liturgie, die römisch-katholischen, behalten, ebenso wie auf die Kirchen der weltweiten Ökumene und ihren Liturgien. Tatsächlich könnte die SELK liturgische Akzente setzen im Sinn einer bekenntnistreuen und gleichzeitig zeit-gemäßen Gottesdienstfeier.

Handlungsbedarf sehe ich auch in der Vernetzung der liturgischen Arbeit innerhalb unserer Kirche. Da gibt es verschiedenen Akteure, beispielsweise die Liturgische und die Gesangbuchkommission, Einzelpersonen aus Kirchenleitung und Kirchenbüro, Amt für Kirchenmusik, Jugendliederbuch-Redaktion, der Praktisch-Theologische Lehrstuhl der Hochschule, der Leiter des Praktisch-Theologischen Seminars, das Mitglied in der LK. Diese segensreichen Gaben sollten m. E. mehr gebündelt, ins Gespräch miteinander gebracht und an einer Stelle verantwortlich koordiniert werden. Dadurch könnten Überschneidungen, Doppelarbeit und „Umwege“ vermieden werden. Nicht zuletzt könnten auch liturgische Bücher (Gesangbuch, Agenden) ökonomischer und zügiger erarbeitet werden als es derzeit möglich erscheint.

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