Für die Würde eines jeden Menschen


Das Naëmi-Wilke-Stift in Guben ist die größte diakonische Einrichtung im Bereich der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). In einer am 3. Juli 2020 veröffentlichten Stellungnahme unterstützt das Stift ein von Vielfältigkeit, Respekt und Wohlwollen getragenes Miteinander in der Stadt Guben. Am 17. Juni 2020 hatte Bürgermeister Fred Mahro vor der Stadtverordnetenversammlung der Stadt eine Erklärung abgegeben, die sich auf offensichtlich fremdenfeindliche Vorfälle im Mai in Guben bezog. Das Stift begrüßt die Erklärung von Bürgermeister Mahro und unterstützt seinen Aufruf, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus nicht zu tolerieren und sich für die demokratische Grundordnung und eine tolerante Gesellschaft einzusetzen. Zugleich unterstreicht das Stift, dass die Stadt Guben auf vielfältige Weise geprägt ist von Humanität, christlicher Nächstenliebe, Offenheit und Toleranz. Der weitere Wortlaut des Textes, den Rektor Pfarrer Markus Müller für den Stiftsvorstand unterzeichnet hat, wird im Folgenden dokumentiert.
 
Guben
 
Seit über 140 Jahren lebt das Naëmi-Wilke-Stift, was Stifter Friedrich Wilke in der Satzung als Stiftungszweck festgelegt hat: „… den Dienst christlicher Liebe in der Betreuung kranker und hilfsbedürftiger Menschen ohne Ansehen der Rasse (meint: Menschen unabhängig ihrer ethnischen Herkunft), Konfession und Weltanschauung auszurichten und damit in Wort und Tat das Evangelium von Jesus Christus zu bezeugen.“ Im Rückblick auf die eigene Geschichte zeigt sich, wie wichtig es ist, sich für die Würde eines jeden Menschen einzusetzen. Menschenwürde kann man sich nicht durch Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder Ethnie verdienen. Menschenwürde ist uns durch Gott verliehen. Sie gilt allen Menschen gleich. Wie sehr wir von der Vielfalt unterschiedlichster Menschen profitieren, zeigt sich jeden Tag in unserem Stift. Hier setzen sich Menschen aus vielen Nationalitäten gemeinsam mit großem Erfolg dafür ein, dass Menschen aus der ganzen Region geholfen wird und dass das Leben wieder neue Lebensqualität erhält. Dies gilt nicht nur in der Versorgung von Kranken, sondern ebenso für den Dienst in unseren Beratungsstellen, unserem Kindergarten, der Eltern-Kind-Gruppe und dem Netzwerk Gesunde Kinder, wo ehrenamtliche Familienpaten mit großem Engagement unterschiedlichste Familien begleiten.

Seit Jahren setzt sich das Naëmi-Wilke-Stift dafür ein, dass gute gesundheitliche Versorgung allen Menschen grenzüberschreitend verlässlich zur Verfügung steht. Hierbei kann es nicht allein um politische Grenzen gehen, sondern auch um kulturelle und sprachliche. Wie sehr uns geschlossene Grenzen belasten und behindern, haben wir gerade während der Corona-Krise erfahren. Noch mehr belasten Grenzen in unseren Köpfen das Miteinander und den gemeinsamen Erfolg. Wir merken täglich, dass wir unserem Stiftungsziel am besten dienen, wenn wir die unterschiedlichen Gaben, Fähigkeiten und Kompetenzen aller Mitarbeitenden auf Basis unseres christlichen Werteprofils zusammenbringen. Nur gemeinsam können wir die bestmöglichen Ergebnisse erreichen. Wir machen natürlich auch die Erfahrung, dass das Überwinden von Grenzen im Denken und Handeln Kraft kostet. Wir werden aber viel mehr belohnt durch das gemeinsam Erreichte. Darum ist es uns auch wichtig, dass sich unsere Mitarbeitenden – unabhängig davon, welcher Nation und Weltanschauung sie sich zuordnen – in unserer Stadt wohlfühlen, gerne hier leben und arbeiten. Die Loyalität gegenüber den gelebten Werten in unserer Stiftung kommt letztlich sowohl Mitarbeitenden als auch den Menschen, die uns anvertraut sind, zugute. Darum setzen wir uns für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung ein und für ein von Respekt und Wohlwollen getragenes Miteinander.

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