20. Sonntag nach Trinitatis


Am 20. Sonntag nach Trinitatis geht es thematisch um die Ordnungen Gottes. Von Ordnungen reden wir in der Theologie oft, wenn wir die großen Zusammenhänge des Lebens meinen, im Unterschied zu Einzelbestimmungen oder Regelwerken.

Schon der Schöpfungsbericht in 1. Mose 1 könnte mit „Schöpfung/Gestaltung durch Ordnung“ überschrieben werden. Gott lässt, was er ins Dasein gerufen hat, nicht „tohu wa bohu“, nicht wüst und leer, sondern er erschafft Licht und Dunkel, die Himmelskörper und damit die Zeit, Land und Meer, Tiere und Pflanzen und den Menschen als Mann und Frau. Er gibt die Ordnung des Sabbats, des Ruhetages, und unterscheidet ihn von den anderen Tagen. Nach der Sintflut verspricht er, dass nicht aufhören soll, Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das ist alles erstaunlich geordnet und unterschieden. Unterscheidung bedeutet dabei immer, dass das, was etwas nach Gottes Willen ist, automatisch bedeutet, dass es etwas anderes nicht ist.

So geht es im Alten Testament weiter. Gottes Geist erweckt und beruft Anführer wie Mose, Priester wie Aaron, Propheten wie Jesaja, Prophetinnen wie Debora, Könige wie David und unterscheidet sie von den anderen Israeliten. Er unterscheidet sein Volk Israel von allen anderen Völkern. Ein ganzer Psalm, nämlich der Psalm 136, preist Gott für dieses ordnende Tun in Schöpfung und Geschichte und begreift es als Erweis seiner Güte.

Ja, und genau mit diesem Denken haben wir es heute oft schwer. Wie kann das Gerechtigkeit sein, was Gott in seinem Wort verfügt und warum darf er überhaupt Ordnung, Recht und Gesetz setzen? Bedeutet eine klare Ordnung nicht immer Vorteile für die einen und Benachteiligung für die anderen? Kann etwas gerecht sein, wenn es Unterschiede gibt? Muss man einen solchen Gott nicht ablehnen?

Das ist nun allerdings kein neuer Gedanke. Es dauert genau noch ein Kapitel in der Bibel nach der Schöpfungsgeschichte, bis die Menschen die allererste, die ganz grundlegende Ordnung und Unterscheidung in Frage stellen, nämlich den Unterschied zwischen Mensch und Gott, zwischen Schöpfer und Geschöpf. „Du kannst alles sein.“ ist ein modernes Werbeversprechen für kleine Kinder, die Puppen kaufen sollen. Gott, und damit im letzten Sinn frei, autark und souverän, kannst du nicht sein. Dass du etwas bist, bedeutet in der Konsequenz, dass du etwas anderes nicht bist. Unterschiedlichkeit ist nicht falsch, willkürliche Benachteiligung wegen der Unterschiedlichkeit ist falsch.

Ordnung ist auch nicht falsch. Buntheit und Vielfalt wohnen in der Schöpfung, aber Ordnung auch. Ohne die Ordnung und den Unterschied von + und – fließt kein Strom. Das kann man bedauern, aber man muss eine Batterie trotzdem entsprechend in ein Gerät einlegen. Einen Computer programmiert man mit 0 und 1, wie schon der Philosoph Leibnitz vor langer Zeit mathematisch erkannte. Damit neues Leben entsteht, braucht es beim Menschen eine Mutter und einen Vater. An dieser Tatsache kommt man bislang jedenfalls nicht vorbei, wenn auch alles andere ziemlich beeinflussbar ist. Nicht umsonst erwähnen Epistel und Evangelium an diesem Sonntag die Heiligkeit der Ehe zwischen Mann und Frau im Sinne von Treue und Unauflöslichkeit als Ordnung Gottes von Anfang der Schöpfung an. Gott setzt diese Ordnung so, wie er auch die Regeln in der Natur bestimmte. Und dass es für die Natur vielleicht doch besser ist, wenn der Wechsel der Jahreszeiten stattfindet, dämmert seit ein paar Jahren wohl jedem. Auch wenn es irgendwie ungerecht ist, dass es im Sommer nicht schneit. Es ist nicht gerechter, wenn es mittlerweile im Winter auch nicht mehr schneit. Auch die Zeit hat viel mit dem ordnenden Handeln Gottes zu tun.

Der 20. Sonntag nach Trinitatis lädt uns ein, einmal genau darauf zu achten, wo wir den Ordnungen Gottes in unserem Leben überall begegnen, sie ernst zu nehmen und Gott dafür zu danken.

Copyright © 2021 | SELBSTÄNDIGE EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE (SELK)