Weihnachten


Was Luther mit der „deutschen Weihnacht“ zu tun hat…
…und was nicht

Weihnachten

Ob in Tokio, Dubai oder Istanbul – selbst in vielen nichtchristlichen Ländern finden die Menschen Gefallen an eigentlich oder vermeintlich „typisch deutschen“ Weihnachtbräuchen. Allen voran am geschmückten Weihnachtsbaum. Groß im Kommen sind Weihnachtsmärkte.

Zur „typisch deutschen Weihnacht“ gehören neben einem geschmückten Christbaum aber auch der Aufbau einer Krippe, das Krippenspiel, die bekannten Weihnachtslieder und „die Bescherung“, also das gegenseitige sich-Beschenken.

„Gemütliche“ Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert unter Titeln wie „Weihnachten bei Familie Luther“ legen nahe, dass das deutsche Weihnachtsbrauchtum vor allem dem Reformator Martin Luther zu verdanken sei. Dies trifft aber nur zu einem ganz geringen Teil zu.

Der Christbaum
Der geschmückte Weihnachtsbaum kam im evangelischen Deutschland wohl erst Ende des 16. Jahrhunderts und zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf und hat möglicherweise eher skandinavische Wurzeln. So wird von einem 1632 bei der Schlacht von Lützen verwundeten schwedischen Offizier berichtet, der in einer nahegelegenen Gemeinde gepflegt worden sei und sich bei seinen Wohltätern mit einer Weihnachtsfeier bedankt habe. Dabei habe er auch einen mit Lichtern geschmückten Baum aufstellen lassen, wie dies in seiner schwedischen Heimat üblich sei.
Eine geistlich-theologisch schöne Interpretation des Christbaumes, egal, ob sie historischer Überprüfung standhält: Die mit roten Äpfeln geschmückte Tanne symbolisiert den Baum des Paradieses, von dem aus „die Sünde in die Welt kam“. Wo es üblich ist, aus dem Stamm des Christbaums ein Fasten- und dann ein Osterkreuz zu zimmern, wird deutlich, was die Präfation vom Sonntag Judica so ausdrückt: „Durch Christus hast du das Heil des menschlichen Geschlechtes vollbracht am Stamm des Kreuzes. Und wie der Tod durch Adams Ungehorsam am Baum des Paradieses den Anfang genommen, so ist am Holz des Fluches das Leben wieder entsprossen durch deines Sohnes Gehorsam.“

Weihnachtskrippen
Das Aufstellen von Weihnachtskrippen soll gar auf den hl. Franz von Assisi zurück gehen, der 1223 in Greccio anstelle einer Predigt mit lebenden Tieren und Menschen das Weihnachtsgeschehen nachstellte.

Krippenspiele, wie auch andere sog. Mysterienspiele, die Szenen der biblischen Heilsgeschichte nachstellten, sind bereits aus dem 12. und 13. Jahrhundert bezeugt. Im 16. Jahrhundert und auch bei Familie Luther schienen sie bekannt zu sein. So wird von Zeitzeugen berichtet: "Seine Kinder mussten die Geschichte von Maria lernen, die hochschwanger mit Josef in Bethlehem umherirrte, ohne Hilfe, ohne Quartier." Sie spielten das Krippenspiel in der warmen Stube der Luthers in ihrem Wittenberger Wohnhaus nach.

Die Bescherung
Das „Bescheren“ am Heiligen Abend geht allerdings mit höchster Wahrscheinlichkeit tatsächlich auf den Reformator der Kirche, Martin Luther, zurück. Bis um die Mitte des 16. Jahrhunderts war es aber auch in den lutherisch gewordenen Regionen Deutschlands noch üblich, dass am 6. Dezember der Heilige Nikolaus Geschenke brachte. Nicht zur Freude des Reformators, der 1527 in einer Predigt zum Nikolaustag die Legende um den Bischof von Myra und seine Auftritte als Geschenkebringer als „kyndisch ding" ablehnte.

Luther wollte stattdessen Christus als den gnädigen Geber aller guten Gaben in der Nacht der Christgeburt, dem 24. auf den 25. Dezember an die Stelle der Nikolausfigur rücken. Zunächst ließ er die Nikoläuse als Gabenbringer am 6. Dezember noch gewähren, führte jedoch in seinem wachsenden Familienhaushalt im Schwarzen Kloster zu Wittenberg das „Christkind“ ein, das seine Kinder beschenkte. Fest verwurzelte Traditionen lassen sich allerdings nicht so schnell einfach „abschaffen“. So kann man etwa im Haushaltsbuch der Familie Luther noch aus dem Jahr 1535 nachlesen, dass 135 Nikolausgeschenke an die Kinder und Jahrmarktsgeschenke für das Gesinde gekauft wurden.

Noch bis ins 17. Jahrhundert hinein hielten sich von der römischen Kirche aus dem Heidentum übernommene Bräuche wie karnevalsartige Nikolaus-, Ruprecht und Heilig-Christ-Umzüge.
Aus einem der zahlreichen Tischgespräche im Hause Luther geht hervor, wie Luther jedenfalls seinen Kindern versuchte, das Christkind anstelle der Nikolausfigur nahe zu bringen. So fragt er 1531 kurz vor dem Weihnachtsfest seine Tochter Magdalene: „Lenichen, was wird dir der Heilige Christ beschern?“.

Brauchtümelnde Weihnachtsidylle in allen Ehren: Die biblische Botschaft, der eigentliche Inhalt des Weihnachtsfestes ist die Geburt Jesu, die Menschwerdung Gottes, die Fleischwerdung (Inkarnation) des göttlichen Wortes (Logos).
Gott wird Mensch, wird ein Kind, in diese verlorene Welt hineingeboren, um sie zu erlösen.

Luther, Dichter zahlreicher Weihnachtslieder, fasst dies in seinem Lied „Gelobet seist du, Jesu Christ“ (ELKG 15) so zusammen:

„Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippe findt; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis.
Den aller Welt Kreis nie beschloss, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.
Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis.“

Oder in Prosa: „Es sollte uns fürwahr nichts fröhlicher sein als dies, dass Christus geboren ist von der Jungfrau Maria.“

Informationen rund um Weihnachten
Der Begriff ‚Weihnachten‘, auch ‚Tag der Geburt des Herrn; Heiliges Christfest“ (liturgische Farbe: Weiß bzw. eigentlich Gold) die früheste Bezeugung liegt aus dem 12. Jahrhundert vor, ist vermutlich christlichen Ursprungs und stellt eine Lehnübersetzung des lat. nox sancta (= heilige/geweihte Nacht) dar, das in der Liturgie der Messe in der Christnacht vorkommt. Bis heute beginnt die erste Kollekte des luth. Christnachts-Gottesdienstes mit den Worten: „Herr, unser Gott, du hast diese geweihte Nacht erhellt durch den Glanz des wahren Lichtes…“ (Ev.-luth. Kirchenagende Band I, S. 21)

Weihnachten gehört zusammen mit Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten zu den höchsten Festen der Christenheit.
Der Weihnachtstag am 25. Dezember (nicht der 24. Dezember!) ist der höchste Festtag des Weihnachtsfestkreises, der mit der adventlichen Vorbereitungszeit (Bußzeit) beginnt und – je nach Tradition - am 6. Januar mit dem Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) oder dem 2. Februar, dem Tag der Darstellung des Herrn (Lichtmess) endet.

Die überlieferte kirchliche Ordnung des Weihnachtsfestes, wie sie sich in der Alten Kirche und im Mittelalter herausgebildet hat, beginnt mit der Vesper am Vorabend (24. Dezember; „Christvesper“), in deren Mitte alle alttestamentlichen Weissagungen und das Evangelium Matthäus 1,1-25 stehen. Das Christfest selbst wird dann am 25. Dezember mit drei eucharistischen Gottesdiensten begangen:
- Die Christmette „In der Nacht“ mit Lukas 2,1-14
- Die Hirtenmesse „In der Morgendämmerung" mit Lukas 2,15-20
- Die Messe „Am Tage“ mit Johannes 1,1-14
Der 26. Dezember gilt eigentlich dem Gedenken des Erzmärtyrers (= 1. Märtyrers) Stephanus, wird aber heute auch als sogenannter 2. Weihnachtsfeiertag begangen.
Der 27. Dezember ist der Tag des Apostels und Evangelisten Johannes.
Der 28. Dezember erinnert als „Tag der unschuldigen Kinder“ an den Kindermord des Herodes in Bethlehem.

Die sog. Weihnachtsoktav (das hohe Fest der Christgeburt ist eigentlich auf eine achttägige Folge gottesdienstlicher Weihnachtsfeiern unter verschiedenen Gesichtspunkten hin angelegt) endet am 1. Januar, acht Tage nach dem Fest der Geburt Jesu, mit dem Tag der „Beschneidung und Namengebung des Herrn“.

Die Festlegung des Tages der Geburt Jesu Christi am 25. Dezember ist nicht biblisch begründet (ein genaues Geburtsdatum Jesu ist in den Evangelien nicht überliefert.
Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember erst seit 336 in Rom belegt. Es kann vermutet werden, dass die Festlegung des 25. Dezember eine Reaktion der römischen Christengemeinde auf das heidnisch-römische Staatfest des „Natale Solis invicti“ (= Geburtsfest des unbesiegten Sonnengottes) war, das ebenfalls (seit 274) am 25.12. begangen wurde.

Die rasche Ausbreitung des Weihnachtsfestes lässt sich vor allem aus der kirchlichen Situation des 4. Jahrhunderts erklären, die durch christologische Streitigkeiten, insbesondere die Abwehr der Irrlehre des Arianismus (Ablehnung der Trinitätslehre; der Vater allein ist Gott) geprägt war.

Weihnachten steht das christologische Bekenntnis im Mittelpunkt, das im Nicänischen Glaubensbekenntnis (das sich gegen die arianischen Irrlehren richtet) so zum Ausdruck gebracht wird:
„Wir glauben (…) an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.“

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