Ein Gedenktag der Reformation aller Heiligen


Reformationstag: 31.10. | Gedenktag der Heiligen: 1. November


Reformation

Ja, es gibt sie tatsächlich: Eine Ikone im byzantischen Stil, die den Reformator Martin Luther als „Lehrer der Kirche“ darstellt. Angefertigt hat sie eine versierte und gläubige griechisch-orthodoxe Ikonenmalerin (Kirsten Voß, Hamburg), die zunächst einige Skrupel hatte, Luther gewissermaßen als „Heiligen“ darzustellen. Nach einer interessanten und theologisch tiefsinnigen Korrespondenz stimmte sie schließlich zu, den Auftrag auszuführen.

IkoneDie Ikone basiert auf einem Holzschnitt von Hans Baldung Grien aus dem Jahr 1520, der Luther als Mönch mit über seinem Haupt schwebender Taube des Heiligen Geistes und Strahlennimbus darstellt.

Also: Bereits wenige Jahre nach Veröffentlichung der 95 Thesen erkannte man in Martin Luther einen von Gott begnadeten Lehre der Kirche. Einen Ausleger der Heiligen Schrift, der die Kernbotschaft des Evangeliums der ganzen Kirche klar und tröstlich-befreiend vor Augen geführt hat: Allein durch Christus, allein durch den Glauben, allein aus Gnade und ohne eigenes Zutun, eigene Entscheidung, eigene Werke und Verdienste wird der sündige Mensch von Gott gerecht gesprochen, erlöst und gerettet!

Das sagt nicht der „heilige Martin Luther“, das sagt die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, aber das bezeugte und lehrte in besonderer Weise der Reformator.

Der war ansonsten ein „stinkender Madensack“ (O-Ton Luther über sich selbst), ein armer sündiger Mensch wie jeder von uns.

Der Artikel 21 des Augsburgischen Bekenntnisses von 1530 definiert, dass und in welcher Weise an  der Heiligenverehrung auch in der „reformkatholischen“, also der evangelisch-lutherischen Kirche selbstverständlich und biblisch fundiert festgehalten wird:

«Über die Verehrung von Heiligen lehren wir Folgendes: Man kann sich an Heilige erinnern, um ihrem Glauben nachzueifern. [Wir werden im Glauben gestärkt, wenn wir sehen, wie sie Gnade erfuhren und ihnen geholfen wurde.] Man kann sich auch die guten Werke der Heiligen zum Vorbild nehmen; das soll entsprechend der jeweiligen gesellschaftlichen Stellung geschehen. Zum Beispiel  kann  der  deutsche  Kaiser,  wenn  er  sein  Land  gegen  die  Türken verteidigt,  dem  David  nacheifern;  beide  sind  ja  Könige [,  die  ihr  Volk beschützen müssen].  2 Aber die Heilige Schrift lehrt nicht, dass wir Heilige anrufen  oder  von  ihnen  Hilfe  erbitten  sollen,  sondern  sie  stellt  uns  allein Christus  hin  als  Mittler,  Sühneopfer,  Priester  und  Fürsprecher.  [Es  steht geschrieben:  „Es  ist  ein  Gott  und  ein  Mittler  zwischen  Gott  und  den Menschen,  nämlich  der  Mensch  Christus  Jesus“  (1.  Tim.  2,5;  s.  a.  Römer 8,34).]  3 Der soll angerufen werden, und er hat versprochen, dass er unsere Bitten erhören wird. Wenn wir ihn in allen Nöten anrufen, dann gefällt ihm das  sehr.  4 Im 1. Johannesbrief steht: „Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist“ (1. Joh. 2,1).»

„Wir werden im Glauben gestärkt, wenn wir sehen, wie sie Gnade erfuhren und ihnen geholfen wurde“ – das ist die Kernaussage.

Gnade - das heißt ja: Nicht Recht! Gottes Recht gegenüber den Menschen, die seine Gebote nicht erfüllen, mißachten, mit Füßen treten oder aber auch sich anmaßen, sie aus eigener Kraft erfüllen zu können (dagegen richtet sich die Botschaft der lutherischen Reformation!), wäre: Tod, Auslöschung.

Gnade – das heißt: Aus Liebe trotzdem nicht. Nicht gegenüber denen, die an Christus als den Gnadenthron, den einzigen Herrn und Heiland glauben, der am Kreuz stellvertretend alles gebüßt und erlitten hat, was eigentlich uns gerechterweise zukommt.

Die 95 Thesen Luthers wurden am 31. Oktober 1517, also am Vorabend des Allerheiligenfestes (vgl. ELKG 096) erstmals veröffentlicht. Dass der „Schatz der Kirche“ auch nicht die Verdienste der Heiligen, sondern „das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes“ ist, (Thesen 58 und 62) ist eine der zentralen Aussagen der 95 Thesen und zugleich das theologische Bindeglied zwischen dem Gedenktag der Reformation und dem Gedenktag der Heiligen.

Die Luther-Ikone, die den Reformator als „Lehrer der Kirche“ darstellt, als einen Mitchristen, an dem wir erkennen können, wie ein sündiger Mensch Gnade erfuhr, ihm durch Gott geholfen wurde und er (nur) so zum Lehrer der Christenheit werden konnte, stellt zwar den Reformator dar, lenkt aber den Blick des Betrachters unwillkürlich auf das Zentrum: Das Wort Gottes.
Dies hält Luther aufgeschlagen an der Stelle in der Hand, die (in griechischer Sprache) bezeugt:

„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“
(Römer 3,28)


Weitere Informationen zur Luther-Ikone finden Sie hier.

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