Projektchor zum Reformationsjubiläum

Ein beeindruckendes Engagement von allen Beteiligten

Ein gesamtkirchlicher Projektchor der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) führt anlässlich des Reformationsgedenkens am 24. Juni in Berlin-Mitte die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach auf. Nadine Vollmar, Kantorin in der Region Süd der SELK, leitet gemeinsam mit Kantorin Antje Ney das Projekt.

Chor

selk.de: An den Allgemeinen Kirchenmusiktagen in Hermannsburg fand die letzte gemeinsame Chorprobe für die Aufführung in Berlin statt: So langsam wird die Anspannung bei Ihnen vermutlich steigen?

Vollmar: Nein, ich empfinde es nicht als Anspannung, sondern als Vorfreude auf die Aufführung in Berlin. Je länger wir proben, desto intensiver lernen wir die h-Moll Messe kennen. Jeder weiß, was noch zu tun ist vor der Aufführung, und die Sängerinnen und Sänger bereiten sich mit großem Engagement auch zwischen den Proben sehr gut selbständig vor.

selk.de: Wie haben Sie die Probenarbeit gestaltet, damit alle Sängerinnen und Sänger möglichst auf dem gleichen Stand sind?

Vollmar: Wir haben für die Teilnahme an diesem Projekt zur Bedingung gemacht, dass die Sängerinnen und Sänger nahezu bei jeder Probe anwesend sein müssen. Außerdem haben Antje Ney und ich immer wieder Absprachen getroffen, welche Stücke bei welcher Probe erarbeitet werden, so dass alle auf dem gleichen Stand sind. Während der Proben haben wir immer wieder Stimmproben machen können, um schwierige Passagen zu festigen.

selk.de: Ein Projektchor aus dem gesamten Bundesgebiet wird in Berlin auftreten – das ist auch eine logistische Herausforderung für die Berliner Kirchgemeinden der SELK. Mit wie vielen Chormitgliedern werden Sie anreisen?

Vollmar: Über 80 Sängerinnen und Sänger von Kiel bis zum Bodensee werden sich auf den Weg nach Berlin machen. Bahnfahrkarten und Flugtickets wurden von einigen Sängern bereits gebucht, um pünktlich zur Generalprobe vor Ort zu sein. Ein beeindruckendes Engagement von allen Beteiligten!

selk.de: Sie werden die Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach aufführen. Ein sehr bekanntes und beliebtes Werk – was war für Sie ausschlaggebend, sich dafür zu entscheiden?

Vollmar: „Wenn wir ein Konzert mit diesem gewaltigen Aufwand machen, dann machen wir es richtig“, haben Antje Ney und ich uns gesagt, als wir vor weniger als einem Jahr die Anfrage bekamen, ein „großes Konzert“ in Berlin anlässlich des Reformationsjubiläums durchzuführen. Bei der Suche nach einem geeigneten Werk, das sowohl musikalisch als auch theologisch dem Anlass gerecht wird, kamen unsere Gedanken neben der h-Moll Messe auch an Werken von F. Mendelssohn Bartholdy vorbei. Jedoch schien uns am Ende die h-Moll Messe am passendsten. Denn wie bekannt ist, war J.S. Bach Luthers Theologie sehr nahe.
Die hohe Messe in h-Moll spricht sowohl Sänger als auch Zuhörer an und ist ein sehr guter Grund, gemeinsam das Reformationsjubiläum in Berlin feierlich zu begehen. Außerdem ist sie ein großartiges Zeugnis christlichen Glaubens, denn Johann Sebastian Bach komponierte sie 1749, kurz vor seinem Tod, fertig als eines von drei Werken (neben der Kunst der Fuge und dem musikalischen Opfer), die man als sein musikalisches Testament betrachten kann.

selk.de: Das Reformationsjubiläum 2017 hat unter anderem auch die Bedeutung von Musik, vom Singen, für das lutherische Christsein neu in den Fokus gerückt. Gleichzeitig haben viele Kirchenchöre Probleme, junge Mitglieder zu finden. Wie hat sich Ihrer Erfahrung nach die Chorarbeit in unserer Kirche entwickelt? Wo kann man neue Impulse setzen?

Vollmar: Nun, ob das Reformationsjubiläum einen direkten Zusammenhang mit den Sängerzahlen in Kirchenchören hat, wage ich zu bezweifeln … Auf dem Land gibt es eine Redewendung: „Man kann nur mit den Ochsen ackern, die man hat“. Übertragen bedeutet das für mich, dankbar zu sein für die guten und engagierten Chormitglieder, die es im kirchlichen Bereich gibt, die ihren Glauben singend zum Ausdruck bringen und andere Menschen damit berühren.
Für mich liegt der Blick selten darauf, wie viele Sänger im Chor sind, sondern, wie sehr ihnen daran liegt, in der Musik mit Gott in Kontakt zu sein und dies auch die Zuhörer spüren zu lassen. Wenn wir daran arbeiten, sowohl mit Kindern und Jugendlichen als auch mit Erwachsenen und Senioren, und die Musik jemanden berührt, dann haben wir viel erreicht. Zum Lob Gottes und für unsere Nächsten.


Die Fragen stellte Doris Michel-Schmidt

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