Die Kirche: Vaterland - Muttersprache - Kindsein


Pfingsten

Was ist Pfingsten?

Am 50. Tag bzw. sieben Wochen nach Ostern feiert die Kirche das „Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes“, Pfingsten. Der Begriff ‚Pfingsten‘ ist eine eingedeutschte Ableitung des griechischen pentēkostē hēméra (= ‚fünfzigster Tag‘).
Das erste christliche Pfingsten fand am jüdischen Schawuot-Fest, dem Wochenfest statt, bei dem am 50. Tag (plus einem Tag) die Offenbarung der Tora, der Weisung Gottes an Israel gefeiert wird.
Was am ersten Pfingstfest (das als kirchliches Fest erstmals im Jahr 130 erwähnt wird) geschah, kann man in der Apostelgeschichte, Kapitel 2 (1-41) nachlesen.

Pfingsten ist das Fest des Kommens des Heiligen Geistes in die Welt. Der Heilige Geist ist nicht etwa ein andere „Erscheinungsweise“ Gottes oder nur eine Kraft oder Energie Gottes, sondern eine Person der Dreieinigkeit. Der Heilige Geist ist Gott. So, wie der Vater und der Sohn Gott und Personen der Dreieinigkeit sind.


Der Geburts-Tag der Kirche
Pfingsten wird auch als der „Geburtstag der Kirche“ bezeichnet.
Das wahrnehmbare Pfingstwunder beschreiben die Verse 6 bis 8 so:
„Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?“ (Apg 2, 6-8)

Die Menge, von der die Rede ist, besteht aus Parthern, Medern, Elamitern, Mesopotamiern, Judäern, Kappadoziern, Phrygiern, Pamphyliern, Ägyptern, Libyern, Römern, Juden, Kretern und Arabern: Menschen aus „aller Herren Ländern“. Jeder spricht seine eigene Muttersprache, ohne die der anderen verstehen zu können. Sie sind sich untereinander fremd, durch ganz unterschiedliche Kulturen und Traditionen geprägt.


Das Pfingstwunder
Gottes Heiliger Geist wirkt das Wunder des Verstehens. Apg 2,11 lesen wir: „Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“
Ein jeder in seiner Muttersprache! Diese neue, geistgewirkte Muttersprache ist die Sprache der Liebe, die langmütig und freundlich ist, nicht eifert, keinen Mutwillen treibt, sich nicht aufbläht, nicht das Ihre sucht, sich nicht erbittern lässt und das Böse nicht zurechnet, die alles erträgt, glaubt, hofft und duldet. Die Muttersprache Gottes (Vgl. 1 Kor 13).

Sprechen und verstehen können diese Muttersprache, die an Jesus Christus glauben und getauft sind. Die durch Wasser und Geist wiedergeboren wurden zu Kindern Gottes des Vaters und die so untereinander Geschwister geworden sind.
Diese Muttersprache eint die Kinder des himmlischen Vaters, die Bürger eines gemeinsamen Vaterlandes, des Reiches Gottes sind.
Ganz gleich, ob sie in dieser Zeit und Welt einen parthischen, medischen, ägyptischen oder auch einen deutschen, iranischen, syrischen, einen amerikanischen oder russischen Pass haben.

Pfingsten: Der Geburtstag der Kirche! Und die Kirche: Geistgestiftete und geistgewirkte Gemeinschaft der Kinder Gottes, die eine gemeinsame himmlische Heimat, ein Vater-Land haben und die gemeinsame göttliche Muttersprache des Geistes der Liebe und des Gotteslobes sprechen und verstehen.



Gemälde: Hortus Deliciarum, Pfingsten: Die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Apostel
Herrad von Landsberg  (1125–1195)

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