Louis-Harms-Konferenz


Seit 40 Jahren gibt es, beheimatet im landeskirchlichen Luthertum und in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, die „Louis-Harms-Konferenz“ (LHK): Seit 1978 wird alljährlich eine Konferenz durchgeführt – als Tagesveranstaltung mit verschiedenen Referaten und Impulsen aus Theologie und Kirche.  In einem Interview für selk.de erläutert Pastor i.R. Dr. Hartwig Harms (Hermannsburg) aus dem Vorbereitungskreis, früher als Dozent im Dienst der Mekane-Yesus-Kirche in Äthiopien, dann im Evangelisch-lutherischen Missionswerk in Hermannsburg tätig, was es mit der LHK auf sich hat.

Harms

selk.de: Worum geht es der LHK? Was sind ihre Ziele?


Harms: Sie möchte helfen, den meist von der lutherischen Tradition geprägten Glauben ihrer Besucher zu stärken, aber auch die Wandlungsprozesse der Gegenwart zu bedenken und hilfreiche Antworten auf neue Herausforderungen zu finden.

selk.de: Ihr Vater Hans-Otto Harms, langjähriger Kondirektor der Hermannsburger Mission, hat die LHK begründet. Was war für ihn der Anlass dazu?

Durch seine frühere Tätigkeit in der Hermannsburger Mission – seit 1972 war er im Ruhestand – hatte er Verbindungen zu landeskirchlichen wie freikirchlichen Kreisen und stellte fest, dass in vielen von ihnen Unsicherheit herrschte im Blick auf die Zukunft des Glaubens und auch besonders der Mission. Da schien es ihm nötig, einen gemeinsamen Ort des Nachdenkens zu finden.

selk.de: Was bedeutet die Festlegung auf den Namen „Louis Harms“ im Namen der Konferenz?

Louis HarmsDer Hermannsburger Pastor Louis Harms – vielen als Ludwig Harms bekannt – hat durch seine Predigttätigkeit in Hermannsburg 1843–1865 die weitere kirchliche Umgebung geprägt. Viele landeskirchliche Gemeinden sind damals von der sogenannten „Erweckung“ neu belebt worden, ebenso wie die sich nach seinem Tod bildenden selbstständigen lutherischen Gemeinden in der Lüneburger Heide, einschließlich der Bleckmarer Mission (heute: Lutherische Kirchenmission). So lag es nahe, durch seinen Namen deutlich zu machen, in welchem Geiste diese Konferenz arbeiten würde.

selk.de: In welchen Strukturen arbeitet die LHK?

Es ist immer ein freier Arbeitskreis gewesen, der die inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitungen machte – 8 bis 12 Theologen und Laien, vom Kreis selbst zugewählt, wenn Wechsel nötig werden.

selk.de: Aus welchen Kirchen oder kirchlichen Werken kommen die Verantwortlichen?

Die meisten kommen aus dem Hermannsburger und Bleckmarer Umfeld, aus der Landeskirche Hannovers und der SELK – mal mehr aus der einen, mal mehr aus der anderen Kirche. Wichtig ist uns, dass der ländliche Raum um Stade und Bremervörde vertreten ist, weil viele Besucher von dort kommen.

selk.de: Jährlich wird eine LHK veranstaltet. Wie läuft so eine Veranstaltung ab?

Wir beginnen um 9.30 Uhr mit einer Andacht. Dann gibt es eine Bibelarbeit und einen Vortrag zum Hauptthema – mit Aussprache. Nach dem Mittagessen kommt eine kleine Pause, die zu Gesprächen oder zu einer Gebetsgemeinschaft genutzt werden kann, dann zwei oder drei Erfahrungsberichte, die das Thema von der Praxis und dem täglichen Leben her beleuchten; gelegentlich auch eine Podiumsdiskussion. Wichtig sind dann eine Stunde Gruppengespräche, wo alle zu Wort kommen können. Abgerundet wird fast immer mit einem persönlichen Blick eines Teilnehmers auf den Namensgeber der Konferenz: „Was ich von Louis Harms gelernt habe.“ Gegen 17 Uhr schließen wir.

selk.de: An wen richtet sich die LHK? Gibt es Voraussetzungen für die Teilnahme?

Alle, die sich für unsere Themen interessieren, sind uns herzlich willkommen – ohne Anmeldung. Wir erbitten nur einen kleinen Beitrag zu den Verpflegungskosten und allgemeinen Ausgaben.

selk.de: Die Tagungen der LHK finden immer in Farven statt. Warum Farven?

Als die erste Konferenz geplant wurde, war das dortige schöne Gemeindehaus gerade fertig geworden und der Farvener Pastor lud dahin ein. Und weil nicht nur die Räumlichkeiten sich gut eigneten, sondern auch viele Besucher aus der weiteren Umgebung kamen und schließlich die Gastfreundschaft der Farvener, besonders der Frauen in der Küche, phänomenal ist, blieb man gerne dabei. Viele Besucher von weiter her, etwa aus Hermannsburg und sogar aus Hessen, lassen sich nicht von der Anfahrt schrecken!

selk.de: Gibt es Erinnerungen an bestimmte Höhepunkte bisheriger Tagungen der LHK?

Besondere Höhepunkte zu benennen fällt mir schwer: Eigentlich jede Tagung fand ich bereichernd, und es sind immerhin mehr als 20, bei denen ich dabei war. Und auch aus den Rückmeldungen von Besuchern, die noch mehr erlebt haben, hören wir, dass sie alle Konferenzen als glaubensstärkend erlebt haben – gerade in dem bunten Blumenstrauß, den wir immer zu bieten hatten.

selk.de: Was erwartet die Interessierten auf der diesjährigen LHK?

Es soll vor allem darum gehen, wie der Heilige Geist unser Leben bereichern kann und tatsächlich bereichert. Wir gehen natürlich aus von der Bibel und auch von Luthers Einsichten, fragen aber auch nach den Herausforderungen durch die charismatische Bewegung und ob wir da ausreichende Antworten haben.

selk.de: Zum Schluss – in Kürze: Ludwig Harms ist Ihr Urgroßonkel. Was fasziniert Sie besonders an seiner Person?

An „Onkel Louis“, wie wir in der Familie immer noch sagen, faszinieren mich nicht nur seine Predigt und ihre Wirkungen, sondern auch, wie er selbst durch und durch seinen Glauben lebte. Zwei Beispiele:
Da ist einmal der Wandel seines Charakters durch seine Bekehrung. Er war hoch begabt, aber als junger Mann auch von sich selbst sehr eingenommen und ungeduldig – der Schrecken seiner jüngeren Geschwister. Seit seiner Bekehrung war er geduldig und liebevoll zu den Mitmenschen – ein neuer Mensch.
Das andere ist seine durch und durch demokratische Haltung. Für ihn waren alle Menschen nicht nur vor Gott gleich, sondern verdienten auch gleichen Respekt. Er kannte keine Menschenfurcht und knickte vor Autoritäten nicht ein. Und das, obwohl er eigentlich ein Verteidiger der Monarchie war. So war er einmal in Hannover vom König, der der Hermannsburger Mission wohlgesonnen war und den Gründer kennenlernen wollte, zum Empfang geladen. Aber Louis Harms winkte ab: Er habe zu predigen. Natürlich hätte er jemand anders um die Predigt im Wochengottesdienst bitten können. Doch der Predigtdienst und seine Gemeinde waren ihm wichtiger, als dem König die Ehre zu erweisen. Er kannte, mit Luther gesprochen, „kein Ansehen der Person“.

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