Unterwegs mit Gott

„Die Gemeinschaft in einer Gruppe muss man erst mal erlebt haben, um zu wissen, wie schön das sein kann.“

„Freizeitfieber“ – unter diesem Label bietet das Jugendwerk der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) Reisen und Freizeiten für Kinder, Jugendliche und Familien an. den Verantwortlichen, Hauptjugendpastor Henning Scharff (Homberg/Efze) haben wir nach Trends und verändertem Freizeitverhalten gefragt.
 

freizeitfieber

selk.de: Jetzt ist die Zeit, in der viele Familien ihren Sommerurlaub planen. Gibt es für die Angebote von „freizeitfieber“ noch genügend freie Plätze?

Henning Scharff: Tatsächlich gibt es fast überall noch freie Plätze. Nur die Fahrradtour durch Holland ist schon voll belegt. Beim Kroatischen oder beim Homberger Sommer kann man noch mitmachen. Die Fahrten nach Taizé sind noch nicht ausgebucht. Die Kinderfreizeiten auf dem Tannenhof oder die Südafrikareise für junge Erwachsene bieten noch Platz. Und auch bei den Wochenendangeboten kann man sich noch anmelden.

selk.de: Welche Angebote kommen bei Kindern bzw. bei Jugendlichen erfahrungsgemäß gut an, welche eher nicht? Kann man da Trends erkennen?

Ein bunter Mix aus verschiedenen sportlichen und musikalischen Aktivitäten kommt gut an. Außerdem erleichtert es den Teilnehmenden, die zum ersten Mal mitfahren das Eingewöhnen in die oft ungewohnten Gruppenprozesse. Wenn die Jugendlichen sich ausgiebig beim Thema, Spiel und Sport begegnet sind, wollen sie gern auch genügend freie, also ungeplante Zeit miteinander verbringen.

Wichtig ist eine gute Verbindung von Spaß und Inhalt. Die jungen Leute haben viele Fragen mit im Gepäck. Und Freizeiten sind eine hervorragende Gelegenheit, um ganz in Ruhe über bewegende Glaubens- und Lebensthemen ins Gespräch zu kommen. Darum ist es neben allen Aktionen und Gestaltungsideen vor allem wichtig, die Kinder und Jugendlichen mit ihren Fragen wahr- und ernstzunehmen.

Die meisten Jugendlichen suchen die Freizeit allerdings zuerst danach aus, wer aus ihrem Bekanntenkreis sonst noch so mitkommt. Land und Thema sind bei der Entscheidung für oder gegen eine Freizeit meistens zweitrangig. Das wird dann erst vor Ort wichtig.

selk.de: Es gibt bei „freizeitfieber“ in diesem Jahr nur drei mindestens einwöchige Sommerfreizeiten für Jugendliche. Ist der Bedarf nicht da oder mangelt es an Veranstaltern?

In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass wir mit zwei großen Sommerfreizeiten gut bedient sind. Wenn wir eine dritte zweiwöchige Freizeit anbieten, dann wird es oft schon knapp mit der Anzahl der Teilnehmenden. Wenn wir dieses Angebot mit dem einwöchigen Homberger Sommer und ein paar besonderen Angeboten flankieren, dann reicht das.
Allerdings deckt das dann auch nur den inzwischen „üblichen“ Bereich ab: hauptsächlich Nord- und Westdeutschland mit Hessen. Die östlichen Bundesländer müssen Glück haben und darauf hoffen, dass ihre Sommerferien in der sehr knappen Kernferienzeit liegen. Baden-Württemberg und Bayern liegen zeitlich immer am Ende des Ferienkorridors und haben fast nie eine vierzehntägige Überschneidung mit den nördlichen Bundesländern. Nach dem altersgemäßen Ausscheiden erfahrener Freizeitleiter aus dem Süden und dem Osten ist leider schon länger niemand mehr nachgekommen. In diesen Regionen mangelt es zurzeit eindeutig an Veranstaltern. So sind die dortigen Jugendlichen leider ziemlich abgehängt.

Im kommenden Jahr wird es dafür den Bundes-HoSo geben. 2018 wird es in ganz Deutschland eine gemeinsame Sommerferienwoche geben. In dieser Woche wird der Homberger Sommer stattfinden – offen für das ganze Bundesgebiet!

selk.de: Früher waren Freizeiten der Kirche für Kinder und Jugendliche die Gelegenheit, mal ohne Familie länger wegzufahren. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten. Wie hat sich das Freizeitverhalten von Jugendlichen verändert?

Heute gibt es viele Billigflugangebote zu schicken Sonnenplätzen, die gerne mit ein paar Kumpels genutzt werden. Es braucht keine organisierte Jugendfreizeit mehr, um mal ohne die Eltern und mit Freund oder Freundin an besonderen Orten seine Ferien zu verbringen und etwas Besonderes zu erleben.

Außerdem hat sich verändert, dass Jugendliche in ihrer Freizeit zwar oft mit ihren Freunden unterwegs sind, aber selten in größeren Gruppen. Die beliebtesten Freizeitaktivitäten (Freunde treffen, mit Freunden ausgehen) werden zu zweit oder zu dritt erlebt. Teil einer großen Gruppe von 20 bis 40 jungen Leuten zu sein, ist heute selten im Erfahrungshorizont von Jugendlichen verankert – höchstens in der Schulklasse. Aber das hat ja nun gar nichts mit der eigenen Freizeitgestaltung zu tun. Die besondere Gemeinschaft in einer größeren Gruppe muss man erst einmal erlebt haben, um zu wissen, wie schön das sein kann.

selk.de: Als kirchlicher Anbieter konkurriert freizeitfieber mit anderen, „weltlichen“ Angeboten. Was sind die wesentlichen „Pluspunkte“, mit denen ihr werben könnt?

Unser „Mehrwert“ besteht in der umgesetzten Überschrift von freizeitfieber: „unterwegs mit Gott…“. Das Besondere an freizeitfieber ist die geistliche Gemeinschaft auf Zeit, die man bei diesen Fahrten erleben kann. Mit ganz normalen Leuten – die man z.T. vorher noch gar nicht kannte – zu spielen, zu blödeln, aber eben auch zu beten und zu singen, zu bedenken, was Gott sagt, ist schon beeindruckend. Bei jeder Freizeit sind Seelsorger mit an Bord, die ein offenes Ohr für die Jugendlichen haben. Das wird reichlich genutzt. Denn die jungen Leute haben oft viel Gesprächsbedarf mit „im Gepäck“.

Außerdem bieten wir Reisen mit viel Spaß und action und thematischem Tiefgang an. Jede Freizeit steht unter einem bestimmten Thema, das aus der Lebenswelt der Jugendlichen kommt. Es wird mit biblischen Impulsen bearbeitet und kommt auch in den Andachten vor, die die einzelnen Tage rahmen.

Und wie viele andere Freizeitanbieter auch, legen wir Wert darauf, dass wir gut ausgebildete Freizeitleiter haben.

selk.de: Außer den Freizeiten organisiert das Jugendwerk der SELK in diesem Jahr ja noch mehrere Veranstaltungen. Was sind die Highlights?

Das erste Highlight liegt gerade hinter uns: die große bundesweite Fortbildung, der Lutherische Jugendkongress. Der stand inhaltlich natürlich im Zeichen des Reformationsjubiläums (www.jugendkongress.org) und beschäftigt sich methodisch mit dem Einsatz verschiedener digitaler Kanäle.

Wir werden beim Deutschen Evangelischen Kirchentag dabei sein und einen Stand im Zentrum Jugend „bespielen“. – Außerdem werden wir zweimal in Wittenberg präsent sein. Einmal nehmen mehrere Kirchenbezirke am Luther500-Wochenende teil. Und dann wird ein Team des Jugendwerkes das Jugendgelände der Weltausstellung in Wittenberg für eine Woche betreuen.

Über den Tag der Deutschen Einheit wird dann das größte Treffen im Jahr anstehen: Das Jugendfestival der SELK mit gut 300 Teilnehmenden.

Hinzu kommen natürlich noch die vielen Veranstaltungen und Freizeiten in den einzelnen Kirchenbezirken.



Die Fragen stellte Doris Michel-Schmidt

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