Gedenktag der Entschlafenen / Ewigkeitssonntag


Ewigkeitssonntag

Ewigkeitssonntag, Totensonntag, Gedenktag der Entschlafenen und Volkstrauertag -

Was hat es damit auf sich?

Neben dem Himmelfahrtstag, den Nichtchristen als „Vatertag“ oder „Männertag“ begehen oder dem Buß- und Bettag, der für Nichtchristen eher ein „Bus- und Bett-Tag“ ist, gibt es noch weitere Tage mit „Doppelbelegung“, die von Christen und Nichtchristen zwar anders, aber doch aus vergleichbarem Anlass begangen werden.

Dazu gehören der Totensonntag, für Christen der Ewigkeitssontag (oder auch ‚Sonntag vom Jüngsten Tage‘) am letzten Sonntag des Kirchenjahres und der Volkstrauertag am vorletzten Novembersonntag, für Christen der ‚Gedenktag der Entschlafenen‘.

In beiden Fällen ist das Gedächtnis der Verstorbenen der Anlass, wenn sich auch Form des Begängnisses und Inhalte teilweise deutlich unterscheiden.

Offenkundig ist es Menschen ein geradezu natürliches Bedürfnis, zu bestimmten Tagen des Jahres ihrer Toten zu gedenken.

Die Tatsache, dass ein Bedürfnis auch „natürlich“ und nicht nur „geistlich“ ist, macht ein Bedürfnis deshalb nicht gleich verwerflich. Es kommt aber darauf an, das „Natürliche“ vom „Geistlichen“ zu unterscheiden, sich über die Ursprünge und Hintergründe unterschiedlicher Inhalte und Formen im Klaren zu sein.


Wie kam es beispielsweise zum „Totensonntag“?

Der wurde in Preußen durch König Friedrich Wilhelm III. (das ist der „Unionskönig“, der dann auch die Altlutheraner verfolgen ließ) durch Kabinettsordres vom 24. April und 25. November 1816 eingeführt. Formal als „allgemeines Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“. Tatsächlich vermutlich aber als Gedenktag für die in den antinapoleonischen Befreiungskriegen (1813) gefallenen preußischen Soldaten und/oder seine 1810 (mit 34 Jahren früh) verstorbene und von ihm sehr geliebte Frau, Königin Luise.

Die preußische evangelische Landeskirche und ihrer Pfarrer, die ja Staatsbeamte waren, wurde nicht gefragt. Andere Landeskirchen übernahmen den „Totensonntag“ in ihre Kirchenkalender.

Und da steht er bis heute. Auch in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Allerdings nicht unter der Überschrift „Totensonntag“, sondern (zumeist) „Ewigkeitssonntag“.

Wir gedenken dann in Dankbarkeit unserer Verstorbenen, „entschlafen sind in der Hoffnung, dass sie auferstehen“. Wir danken Gott dafür, dass Er unsere verstorbenen Schwestern und Brüder durch die Heilige Taufe zu Seinem Eigentum gemacht hat und für alle geistlichen Gaben, mit denen Er sie beschenkt hat und für alles, was sie uns gewesen ist. Und vergewissern uns der Hoffnung auf die Auferstehung, indem wir sie in Gottes Hand befehlen und beten, dass Er sie ruhen lasse in seinem Frieden, ihnen gnädig im Gericht sei und sie mit uns auferstehen lasse zum ewigen Leben.


Und worin unterscheiden sich „Totensonntag“ und „Volkstrauertag“?

Der Totensonntag (kirchlich: Ewigkeitssonntag) und der Volkstrauertag (kirchlich: Gedenktag der Entschlafenen) unterscheidet sich kirchlich-inhaltlich überhaupt nicht. Allerdings wird es kaum Gemeinden geben, in denen beide Tage (an zwei Sonntagen hintereinander) begangen wird.

Der Volkstrauertag ist übrigens kein gesetzlicher Feiertag, wenngleich in einigen Bundesländern als „Trauer- und Gedenktag“ anerkannt.

Eingeführt wurde er 1925 und sollte in Erinnerung der im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten jeweils am 5. Sonntag vor Ostern begangen werden. Gesetzlicher Feiertag war er auch in der Weimarer Reichsverfassung nicht.

Die Nationalsozialisten machten aus dem Volkstrauertag 1934 den sog. „Heldengedenktag“ und legten ihn auf den zweiten Fastensonntag (Reminiscere). Nicht mehr Totengedenken sollte im Mittelpunkt stehen, sondern Heldenverehrung.

In der alten Bundesrepublik wurde der Volkstrauertag 1952 eingeführt. In der DDR beging man jährlich am 2. Sonntag im September einen „Internationalen Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg“.

Ob Totensonntag, Volkstrauertag, Heldengedenktag oder Kampftag, ob Friedrich Wilhelm III., Friedrich Ebert, Hitler, Adenauer oder Wilhelm Pieck: Das staatlich verordnete Totengedächtnis scheint im Interesse von Staaten und Staatsführern zu liegen und es lohnt sich vielleicht, nach den Gründen zu fragen, Antworten zu finden und sehr sorgsam zu bedenken, was es bedeutet, solche Tage unreflektiert in den Kirchenkalender zu übernehmen und gottesdienstlich zu begehen.

Die römisch-katholische Kirche ist hier offenbar etwas staats-emanzipierter (wie übrigens auch außerdeutsche lutherische Kirchen): Dort wird (seit der röm.-kath. Kalenderreform 1970) am letzten Sonntag des Kirchenjahres inhaltlich das, was wir am Ewigkeitssonntag begehen, am Christkönigsfest bedacht.
Unter diesem programmatischen Titel (Christus ist der König, kein anderer!) wurde es erst 1925 eingesetzt, ist also ein vergleichsweise neues Kirchenfest.

Die katholische Jugend beging am Sonntag Trinitatis traditionell den sog. „Bekenntnissonntag“ (auch eine gute Idee!). Als jedoch die Nationalsozialisten das Reichssportfest auf diesen Termin legten, legten die stattdessen demonstrativ den Bekenntnissonntag auf das Christkönigsfest am letzten Sonntag im Oktober.
Das eigentliche Gedenken der Verstorbenen findet in der römisch-katholischen Kirche am 2. November, dem sog. Allerseelentag, statt.


© Foto: science photo - fotolia.com

Copyright © 2018 | SELBSTÄNDIGE EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE (SELK)