13. Sonntag nach Trinitatis – Diakoniesonntag


„Wer hat, der gebe, wer braucht, der nehme!“
Impuls: Die Dankopfersammlung als Ort der Diakonie im Gottesdienst

Diakoniesonntag

Vor Jahren hat eine Berliner Gemeinde einmal den Versuch unternommen, die Kollekte wieder als diakonische Liebessammlung ins Bewusstsein zu rücken und folgende Aufschrift am Kollektenkörbchen befestigt: „Wer hat, der gebe, wer braucht, der nehme!“ In dieser Kirche fanden sich immer viele Obdachlose ein, die der Aufforderung natürlich gerne Folge leisteten. Zur großen Überraschung mancher war dennoch das Kollektenergebnis insgesamt deutlich höher als vor diesem ungewöhnlichen diakonischen Versuch!

Nicht der „schnöde Mammon“, sondern die Diakonie hat in der Dankopfersammlung ihre gottesdienstliche Verankerung. Wenn man davon absieht, dass die Fürbitte selbstverständlich auch eine Form der Diakonie ist, weil auch hier einer des anderen Last mitträgt, ist die Dankopfersammlung ansonsten der einzige Ort im Gottesdienst, an dem die Diakonie vorkommt.

Man sagt: Liturgie (Anbetung, Lobpreis), Martyrie (Zeugnis, Bekenntnis, Verkündigung, Mission) und Diakonie (Dienst der Nächstenliebe) seien die drei hauptsächlichen Lebensäußerungen der Kirche. Es ist also nicht beliebig, ob und wie die Diakonie auch im Gottesdienst vorkommt oder nicht.

In der Alten Kirche brachte die ganze Gemeinde unter Lobgesang Gaben in Form von Naturalien zum Altar. Gaben, die im Anschluss an den Gottesdienst an die Bedürftigen und Armen der Gemeinde verteilt wurden.

Aus der Fülle dieser Gaben sonderte der Bischof der Gemeinde, also der Leiter des Gottesdienstes, Brot und Wein für die Sakramentsfeier aus. Über den Gaben wurde ein Segensgebet gesprochen, also ein Gebet mit der Bitte um gesegneten Gebrauch durch die Empfänger und um Segen für die Geber.

Übrigens geht die Dankopfersammlung auf neutestamentlich bezeugte Vorbilder zurück, die sogar den Schluss nahelegen, dass schon in den ersten Christengemeinden neben den Naturalien für die Armen der eigenen Gemeinde auch bereits modern anmutende Geldsammlungen für entfernt wohnende Mitchristen durchgeführt wurden. (Zum Beispiel: Römer 15,26;  2. Korinther 8 + 9)
Es ist also ein echter Verlust, wenn in manchen Gemeinden anstelle der gottesdienstlichen Dankopfersammlung nur noch ein Opferstock am Ausgang aufgestellt wird, an dem man sich entweder geübt vorbeidrückt oder in den man eher verschämt unter den kritischen Augen eines Küsters oder Kirchenvorstehers sein „Schärflein“ einlegt.

Wo die gottesdienstliche Dankopfersammlung aus der Übung gekommen ist und man nun nicht mit der Hauruck-Methode diesen Brauch (wieder) einführen kann oder möchte, wäre es eine sinnvolle Möglichkeit, zumindest die Sammlungen, die für diakonische Zwecke außerhalb der eigenen Gemeinde gedacht sind oder am Diakonie-Sonntag während des Gottesdienstes einsammeln zu lassen. Dadurch wird nämlich deutlich: Wir übernehmen jetzt gemeinsam als Gemeinde aus christlicher Liebe Mitverantwortung für andere Christen oder andere, in Not geratene Menschen.

Das gesammelte Geld wird zum Altar gebracht, wo der Pastor ein Dankopfergebet spricht. Warum das? Man stelle sich nur vor, welche „Geschichte“ die Münzen und Scheine haben können, die nun auf dem Altar liegen und in den Dienst der christlichen Nächstenliebe oder des Gemeindeaufbaus gestellt werden sollen!

Ein wenig übertrieben vielleicht: Aber es kann sich ja auch um Erpresser- und Verbrechergeld, um Huren- und Bestechungsgeld, um schon einmal gestohlenes oder unterschlagenes, für die übelsten Dinge bereits einmal ausgegebenes Geld handeln. Und da sagen wir nicht einfach „pecunia non olet“ (lat.: „Geld stinkt nicht“), sondern bitten Gott, dieses Geld in Seinen Dienst zu nehmen, es auszusondern aus den schlimmen und schuldverstrickten Zusammenhängen dieser Welt und es einzusetzen zum Bau seiner Kirche und zu Wohl und Heil der Menschen und zum Segen derer, die es für diesen Zweck aus Dank geopfert haben.

Man kann das Dankopfer unmittelbar im Anschluss an die Abkündigungen einsammeln und währenddessen ein zusätzliches Dankopferlied singen lassen.
Dem ursprünglichen Brauch näher (und zeitsparend) wäre es, das Dankopfer zum „Lied zur Bereitung“ einzusammeln.

Klassisch heißt dieses Lied oder ein entsprechendes Musikstück auch „Offertorium“. Dahinter steckt das lateinische offerre, was darbringen oder auch opfern bedeutet.

Die Dankopfersammlung ist also ihrem eigentlichen Sinne nach keine weltliche Notwendigkeit der kirchlichen Geldbeschaffung, sondern geistliches, diakonisches Handeln der Gemeinde im Gottesdienst.


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