Aschermittwoch


„Am Aschermittwoch ist alles vorbei…“

Aschenkreuz

Den Titel des 1953 entstandenen Karnevalsschlagers, der inzwischen redensartlich geworden ist, ließ sich der Autor, Jupp Schmitz, sogar auf seinen Grabstein setzen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen…

Aber was ist denn am Aschermittwoch vorbei? Doch nicht das Leben. Es sei denn, man versteht unter „wahrem Leben“, wie es der echte Kölner vielleicht tut, so etwas wie Karneval. Also eine „Dauer-Session“ mit Konfetti, Alkohol, Schlemmen, Schunkeln, derben Witzen und enthemmter Freizügigkeit.

Vorbei ist am Aschermittwoch der Karneval, weil damit die (symbolisch, nicht mathematisch zu verstehende) 40-tägige Buß- und Fastenzeit vor dem Osterfest beginnt.

Schon sehr früh in der Kirchengeschichte wurde das so geregelt. Unter Papst Gregor dem Großen nämlich, der von 590 bis 604 „regierte“.

Und die Asche? Die hat in der Bibel eigentlich immer die Bedeutung von Buße, Trauer, Reue, Beschämung, Umkehr, hat also durchaus ihre biblische Grundlage.

Im 11. Jahrhundert entstand auf eine Empfehlung von Papst Urban II. der Brauch, die Palm- oder Buchsbaumzweige des Vorjahres, die beim Palmsonntagsgottesdienst geweiht wurden, zu Asche zu verbrennen und beim Aschermittwochsgottesdienst mit dieser Asche den Gläubigen Kreuze als Zeichen ihrer Bußhaltung auf die Stirn zu zeichnen.

Bis heute spricht der Priester in der römischen Kirche dazu die Worte: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“ (Vergleiche 1. Mose 3,19)

In der lutherischen Kirche ist der Aschermittwochsgottesdienst meist eine Passionsandacht oder ein Beicht-und Bußgottesdienst. Die Kirchenagende der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) beinhaltet für den Aschermittwoch ein eigenes Proprium, das einen Abendmahlsgottesdienst am Mittwoch vor dem 1. Sonntag der Passionszeit (Invokavit) vorsieht. Allerdings keine Austeilung von Aschenkreuzen!

Die Sitte, im Rahmen solcher Gottesdienste den Gläubigen auch Aschenkreuze auf die Stirn zu malen, ist dennoch vereinzelt anzutreffen. Vor allem hat es sich vielerorts eingebürgert, am Aschermittwoch ökumenische Bußgottesdienste zu feiern, die fast immer die Austeilung eines Aschenkreuzes vorsehen.

Nach Auffassung der römisch-katholischen Kirche zählt der Aschenkreuz-Ritus allerdings zu den Sakramentalien, zu sakramentsähnlichen aber nicht sakramentsgleichen Riten. Die Asche für den Aschermittwochsritus muss also eigentlich von einem römisch-katholischen Priester geweiht sein.

Dem legitimen Bedürfnis der Menschen nach sinnenfälligen, symbolhaften, emotionalen Riten kommt die Austeilung des Aschenkreuzes daher sicherlich und verständlicherweise entgegen.

Der Aschenkreuzritus: Wie so viele symbol- und zeichenhafte kirchliche Riten (Weihwasser als Tauferinnerung, Weihrauch als Zeichen der Ehrerbietung oder der aufsteigenden Gebete usw.) kann man auch diesen Ritus richtig und falsch verstehen, recht gebrauchen oder oberflächlich und unbedacht- „gefühlig“ unkritisch nachahmen und damit missbrauchen.

Jupp Schmitzens Schlager meint übrigens: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei, die Schwüre von Treue sie brechen entzwei.

Wenn der Aschermittwoch in dieser kölschen-karnevalistischen Manier als „Generalablass“ oder gar als Freibrief für hemmungsloses Sündigen in der Zeit davor verstanden wird, würde er jedenfalls nach biblisch-lutherischem Verständnis missverstanden und missbraucht. Da hilft auch kein Aschenkreuz.

Copyright © 2018 | SELBSTÄNDIGE EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE (SELK)