Leitsätze des Dienstes an Flüchtlingen | 13.04.2016

Nicht Bedrohung, sondern Geschenk, ja Segen
SELK in Steglitz: Leitsätze des Dienstes an Flüchtlingen

Berlin, 13.4.2016 - selk - Die Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin-Steglitz ist seit Mai vergangenen Jahres eine eigenständige Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Ihre Selbstständigwerdung ist die Folge eines großen Zustroms vor allem farsi- und darisprachiger Flüchtlinge, die seit 2011 ihre geistliche Heimat zunächst in der Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf der SELK und seit 2013 im Missionsprojekt Berlin-Steglitz der Mariengemeinde mit ihrem Pfarrer Dr. Gottfried Martens fanden.

"Zentrales Motiv unserer Arbeit ist das Evangelium von Jesus Christus, das seinen verdichteten Ausdruck in den Worten aus Johannes 3,16 gefunden hat: ,Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.'" So heißt es programmatisch in jetzt veröffentlichten "Leitsätzen des Dienstes der Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin-Steglitz an Flüchtlingen". Die Liebe Gottes gelte der ganzen Welt ohne Ausnahme. Diese Liebe Gottes wolle die Dreieinigkeits-Gemeinde allen Menschen bezeugen.

Dabei habe sie eine Infrastruktur für farsi- und darisprachige Menschen geschaffen. Diese umfasse Taufunterrichte und Bibelstunden mit farsisprachiger Übersetzung und Gottesdienste mit einer Reihe von farsisprachigen Elementen ebenso wie gemeinsame Mittagessen und Feiern sowie Angebote von Sozialsprechstunden mit farsi- und darisprachigen Dolmetschern. Dabei habe man sich in den vergangenen Jahren auch Kompetenzen im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechts angeeignet.

"Wir sind davon überzeugt, dass nach Johannes 14,6 Jesus Christus der einzige Weg zu Gott dem Vater ist", heißt es in den Leitsätzen. "Dies gilt auch für Muslime, denen wir dieses Zeugnis schuldig sind. Ihnen gegenüber sollen und dürfen wir diesen Selbstanspruch Jesu nicht verschweigen oder verschleiern. Wenn wir Muslimen Christus bezeugen, geht es uns nicht darum, Menschen, die eine andere Religion haben, oder gar deren Kultur herabzuwürdigen. Wir nehmen aber zugleich auch die vielen Leidensgeschichten wahr und auch ernst, die Flüchtlinge in unserer Gemeinde aus ihrem Leben in einer islamisch geprägten Gesellschaft zu berichten wissen."

Die Gemeinde sei es wichtig, so heißt es weiter, dass Asylbewerber, die zu ihr fänden, in keiner Weise unter Druck gesetzt würden, den christlichen Glauben anzunehmen. Hilfe für Menschen in Not werde nicht von ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben abhängig gemacht. Erfolge eine solche Hinwendung, so lege die Gemeinde "Wert darauf, dass Asylbewerber, die vom Islam zum christlichen Glauben konvertieren möchten, eine gründliche Unterweisung in ihrer Muttersprache in einem mehr als dreimonatigen Taufunterricht erhalten und in dieser Zeit auch in unser Gemeindeleben hineinwachsen." Am Ende dieser Unterweisung stehe jeweils eine Abschlussprüfung, in der es darum gehe, sich "von der Ernsthaftigkeit des Taufbegehrens bei jedem einzelnen Taufbewerber persönlich zu überzeugen."

Sei diese Ernsthaftigkeit nicht erkennbar, werde die Taufe in der Gemeinde verweigert.

Zur expandierenden Arbeit heißt es, dass diejenigen Taufbewerber und Gemeindeglieder, die sich schon dem christlichen Glauben zugewandt hätten, nun ihrerseits Menschen in Asylbewerberunterkünften und darüber hinaus zum christlichen Glauben und konkret auch in die Dreieinigkeits-Gemeinde einladen würden. Die Missionsarbeit geschehe fast ausschließlich durch die Flüchtlinge selbst und nicht durch den Pfarrer der Gemeinde, der nur anschließend die Unterweisung und Taufen vornehme.

In ihrem Einsatz für Flüchtlinge sei die Gemeinde ökumenisch-partnerschaftlich vernetzt mit anderen Gemeinden Berlins, die ebenfalls mit farsi- und darisprachigen Flüchtlingen arbeiten, heißt es weiter.

Ein besonderes Anliegen der Dreieinigkeits-Gemeinde sei der Einsatz zum Schutz von Menschen, die von Abschiebungen in Länder bedroht sind, in denen ihr Leib und ihr Leben gefährdet sind. "Wo wir solche Bedrohung von Leib und Leben erkennen können, sind wir als Gemeinde dazu bereit, in Einzelfällen auch Kirchenasyle zu gewähren."

In der Verlautbarung wird auch Bezug genommen auf das leidvolle Erleben vieler Taufbewerber, die "in ihren Heimen und Unterkünften ihren christlichen Glauben nicht frei praktizieren können, sondern verbergen müssen, weil sie ansonsten von Mitbewohnern bedroht, gemobbt und angegriffen werden." Die Gemeinde setze sich "für wirksame Maßnahmen zu ihrem Schutz ein".

"Wir sehen die Flüchtlinge, die in unser Land kommen, nicht als Bedrohung, sondern als Geschenk an, ja als einen Segen, den all diejenigen wahrnehmen können, die in den Fremden nach Matthäus 25, 35 Christus selber erkennen und ihm dienen", heißt es abschließend. "Wenn wir ihnen auch das Evangelium bezeugen, tun wir dies nicht, um ihre Notlage auszunutzen, sondern weil wir ihnen das Beste, was wir haben, nicht vorenthalten, sondern es mit ihnen teilen wollen. Mit großem Nachdruck weisen wir alle Versuche zurück, unseren Einsatz für christliche Flüchtlinge von fremdenfeindlichen und rassistischen Gruppierungen, Organen oder gar Parteien instrumentalisieren zu lassen."

Auch alle Kritik an den zum Teil massiven Missständen in den Asylbewerberunterkünften solle vonseiten der Gemeinde der Akzeptanz des Einsatzes für Flüchtlinge und der Offenheit für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge dienen und diese fördern.

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