Plattdeutsch in Tübingen | 28.08.2017

"Wat mutt, dat mutt"
SELK: Plattdeutscher Gottesdienst in Tübingen

Tübingen, 28.8.2017 - ST/selk - Knapp 600 Kilometer trennen Tübingen und Uelzen in Niedersachsen - und auch das Schwäbische und das Plattdeutsche scheinen recht weit auseinander zu liegen. Das hat Dörte Pape nicht davon abgehalten, stets die Verbindung zu ihrer Heimat zu halten. Zum gestrigen Sonntag hatte sie zum zweiten plattdeutschen Gottesdienst in die Tübinger Friedenskirche eingeladen.

Die heute in Kusterdingen lebende gebürtige Uelzenerin und Gründerin des Kreises "Ick snack platt, du ock?" hatte Pfarrer Helmut Koopsingraven (ebenfalls Uelzen) eingeladen, den Gottesdienst ihrer Tübinger Philippusgemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), die in der Friedenskirche Gastrecht genießt, zu leiten. Neben Gemeindegliedern fanden sich auch Mitglieder des plattdeutschen Kreises und Gäste, die in der Zeitung von dem Gottesdienst gelesen hatten, ein.

Thema der Predigt war "Sööken un Redden" - suchen und retten. Dies sei, so Koopsingraven, der Auftrag Jesu gewesen: suchen und retten, was verloren ist. Auf die Frage hin, warum Jesus das tue, habe dieser übrigens einmal geantwortet: "Ick mutt" - "Wat mutt, dat mutt", so Koopsingraven augenzwinkernd. Verloren sein heiße, von Gott getrennt zu sein, und das sei auch mit dem Begriff "Sünde" gemeint. Hier bestehe auch ein schöner Zusammenhang mit dem Plattdeutschen, der dem Abendlied von Mathias Claudius zu entnehmen sei: Gott solle "sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen". "Sonder" bedeute so viel wie "ohne" und vermittle zwischen absondern und Sünde, auf Plattdeutsch: Sünne. Sünde sei also, von Gott abgesondert, von Gott getrennt zu sein. Und Jesus hole diese Abgesonderten zu sich zurück.

Den Anstoß zum Thema hatte der emeritierte SELK-Pfarrer aufgrund eines Spendenaufrufes bekommen. Auf dem war ein Boot mit den Lettern SAR abgebildet. Dies stehe für "Search and Rescue" (Suche und Rettung). Und so heißt es dann auch im "Förbittgebeed": "In Gnaden wend vun us af böös' Tieden, Krankheit, Terror, Krieg, Katastrophen. Wi bidd' di for de Menschen, de vun Krieg un Terror bedrapen sind, wi bidd' för de Flüchtlinge överall in de Welt." Die Dringlichkeit der Bitte wurde schließlich mit dem "Vadderunser" unterstrichen: "Use Vadder in'n Himmel, dien nam wees hillig, dien riek lat kamen, dien Will'n lat geschehen - as in'n Himmel, so ook up de Eer .".

Das "Platt" in Plattdeutsch, so Koopsingraven, bedeute "einfach, schlicht, verständlich", was aus einer Bibelübersetzung um 1600 hervorgehe. Nicht "flach", wie viele glauben würden.

Mittlerweile habe der plattdeutsche Kreis knapp 60 Mitglieder, so Pape. Sie treffen sich regelmäßig, um gemeinsam zu feiern. Beispielsweise zum "Klönsnack" - zum Plaudern bei Kaffee. Oder um ein typisch norddeutsches Seemannsgericht zu genießen, das Labskaus. "Es besteht aus Kartoffelpüree mit Dosenrindfleisch, Hering, Spiegelei, Rote-Beete-Salat und einer Gewürzgurke", erklärt Pape. Für einen Schwaben mag das recht befremdlich anmuten. "Schwaben und Norddeutsche sind sich aber sehr ähnlich", meint sie, "beide sind eher distanziert zu anderen. Es dauert lange, bis man eine Freundschaft geknüpft hat - die aber hält fürs Leben."

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
Quelle: Schwäbisches Tagblatt (Nadine Cetin), 28.8.2017 /
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