Berufung eines Pfarrers


Eine vakante Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) beruft einen neuen Pfarrer: Wie geht das eigentlich? Und was ist dabei zu bedenken? Eine Broschüre, herausgegeben von der Theologischen Kommission der SELK, beschreibt den Berufungsprozess aus Sicht des Pfarrers und der Gemeinde.

Berufung

„Ein Vorgang – zwei Perspektiven“ lautet der Untertitel der Broschüre, die den Berufungsprozess zunächst aus der Sicht des Pfarrers, dann aus der Sicht der Gemeinde beschreibt.

Ein Pfarrer erhält womöglich sehr oft Anfragen oder direkte Berufungen von Gemeinden. Kann er sich vor einer „Berufungsflut“ schützen, wenn er weiß, dass er derzeit nicht wechseln will? Kann er – im umgekehrten Fall – signalisieren, dass er an einer Berufung Interesse hätte? Und wenn eine Berufung ausgesprochen wurde: Wie erkennt ein Pfarrer dann, ob er sie annehmen soll?

„Die Herausforderung bei der Annahme von Berufungen besteht darin, dass einerseits nicht per se jede Berufung als göttliche Berufung verstanden werden kann“, heißt es in der Broschüre, die von Prof. Dr. Christoph Barnbrock, Mitglied der Theologischen Kommission der SELK, verfasst wurde. „Sonst wäre ja die einzig mögliche Reaktion eine Annahme der Berufung. Andererseits handelt es sich bei jeder Berufung um ein geistliches Geschehen, in dem eine im Namen Jesu versammelte Gemeinde einen Pfarrer zu ihrem neuen Hirten und Seelsorger beruft. Eine solche Berufung hat von daher einen anderen Wert als ein Jobangebot der Agentur für Arbeit unter vielen anderen.“

Die Pfarrerdienstordnung sieht vor, dass ein Pfarrer sich vor Annahme einer Berufung mit seinem Superintendenten und seinem Kirchenvorstand berät. „Versteht man solche Gespräche nicht bloß als geordnete Pflichttermine, sondern als geistliches Miteinander, kann aus dem wechselseitigen Reden und Hören auch geistlicher Rat erwachsen“, schreibt Barnbrock. Drei Bereiche gelte es, dabei im Blick zu behalten: die bisherige Gemeinde, die berufende Gemeinde und sich selbst mit seinem eigenen (familiären) Umfeld.

Wenn ein Pfarrer eine Berufung angenommen hat, ist der Prozess ja nicht zu Ende. Der Wechsel von einer Gemeinde zu einer anderen muss gestaltet werden. Einerseits gilt es Abschied zu nehmen, und auf der anderen Seite den Neuanfang sorgfältig zu organisieren.

„Es gehört zu den bewährten pastoraltheologischen Weisheiten, nicht nur seinen Nachfolger, sondern auch seinen Vorgänger zu schonen“, schreibt Barnbrock. „Wer in der neuen Gemeinde auftritt und sofort direkt oder indirekt markiert, was der Vorgänger alles verkehrt gemacht hat, wird zu Verunsicherungen in der Gemeinde Anlass geben und auch sich selbst in kein gutes Licht rücken.“ Das setze eine „Haltung der Lernbereitschaft“ voraus, um wahrzunehmen, warum eine Gemeinde ihr Gemeindeleben bisher so gestaltet hat, wie es der Fall war. „Die Vermeidung von Aktionismus kann mich auch davor schützen, dass einzelne Gemeindeglieder versuchen, mich vor den Karren gerade ihrer Ideen zu spannen“, heißt es in der Broschüre.

Aus der Perspektive der Gemeinde stellen sich die gleichen Fragen – nur umgekehrt. Welche Form der Berufung soll gewählt werden – zunächst anfragen oder direkt berufen? Welches Profil soll der zukünftige Pfarrer denn mitbringen? Es sei sinnvoll, schreibt der Autor, Erwartungen und Schwerpunkte in der Gemeindearbeit zu benennen. Allerdings: „Dabei ist zu vermeiden, die Erwartungshaltung so sehr aufzublasen, dass ihr am Ende kein menschlicher Kandidat mehr entsprechen kann.“

Eine Gemeinde muss sich bewusst sein: Hat ein Pfarrer die Berufung angenommen und ist in der neuen Gemeinde eingeführt, wird nicht alles einfach so wie früher. Schließlich übernimmt mit dem neuen Pfarrer ja ein anderer Mensch das Pfarramt. „Wer den neuen Pfarrer mit seinem Vorgänger vergleicht, wird dabei schnell auf manches stoßen, was der neue Pfarrer besser macht und besser kannHeft 13, aber auch auf einiges, was früher doch gelungener war. So wird man aber weder dem neuen noch dem alten Pfarrer gerecht. Beide haben ihre Stärken und Schwächen. Und beide haben ihre Zeit in der Gemeinde (gehabt). Es hat wenig Sinn, sich in alte Zeiten zurückzuwünschen oder im Nachgang die Zeit des alten Pfarrers als wenig erfreulich darzustellen. Vielmehr gilt es, sich nun mit dem neuen Pfarrer auf den gemeinsamen (geistlichen) Weg zu begeben. Er ist der nun von der Gemeinde berufene Seelsorger und Hirte, der in Gottes Auftrag seine Arbeit hier tut – so gut er kann. Für ein gutes Miteinander ist ein beidseitiger Vertrauensvorschuss notwendig.“

Die Broschüre „Berufung eines Pfarrers in der SELK“ ist in der Reihe „Lutherische Orientierung“ als Heft 13 erschienen und kann für 1,25 Euro pro Stück über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellt werden.


Foto: © Erik M. Lunsford - The Lutheran Church–Missouri Synod

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